Traumberuf: Tierarztassistent/in – Tiermdizinische/r Fachangestellte/r

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Wir haben nachgefragt: Wie sieht es beim Traumberuf Tierarztassistent/in in der Praxis aus? / Foto: VGstockstudio - shutterstock.com

Um Tierarztassistent/in zu werden, benötigt man in Österreich keine Ausbildung. In Deutschland lautet die korrekte Bezeichnung Tiermedizinische/r Fachangestellte/r.

In Deutschland muss eine zweifache Ausbildung durchlaufen werden, die aus Berufsschule und praktischen Arbeiten in Tierarztpraxen und -kliniken besteht. In Österreich handelt ist „Tierarztassistent/in“ kein Lehrberuf. Es ist Eigeninitiative gefragt, um sich auf Kongressen, bei Symposien und Vorträgen weiterzubilden.

Dennoch ist dieser Beruf nicht so anspruchslos, wie es den Anschein hat. Schnell wird im Berufsalltag klar, dass es eine große Portion Selbstständigkeit braucht, aber auch die körperlichen Voraussetzungen, um schwere Tiere zu heben, Futtersäcke zu schleppen und widerspenstigen, wehrhaften Tieren freundlich-bestimmt die Stirne zu bieten.

Auch Einschläferungen gehören leider zum Alltag dazu. Emotionen sind zwar nicht verboten, aber man sollte seine Tränen zumindest wieder stoppen können, um im Anschluss den Betroffenen Trost spenden und selbst konzentriert weiterarbeiten zu können. Vor allem in diesem Beruf wird schmerzlich bewusst, dass der Tod zum Haustierleben dazugehört.

Vielseitiger Beruf

Tamara Jelesic ist Tierarztassistentin in der Praxis Fernitz in Graz-Umgebung und derzeit in Karenz. Sie schätzt an ihrem Beruf, dass er sehr vielseitig ist: „Kein Tag ist wie der andere, man lernt fast täglich etwas dazu. Ich kann teilhaben an wunderschönen Momenten wie gelungenen, schwierigen Operationen, an Geburten und an der Genesung nach schweren Krankheiten. Ich erlebe mit, wenn Tiere ein neues Zuhause gefunden haben und entlaufene Tiere wiedergefunden werden.“

Tamara hat in erster Linie durch „learning by doing“ gelernt, aber nicht alles lässt sich erlernen. Sie betont, dass es neben der Nähe zu Tieren auch jene zu den Menschen braucht, da einem in jenem Berufssektor großes Vertrauen entgegengebracht wird. „Mit Stress umgehen zu können und höflich zu bleiben“, sieht sie ebenso als Grundvoraussetzungen wie PC-Kenntnisse, selbstständiges Arbeiten und trotzdem Teamplayer zu sein. „Menschen brauchen oft Zuhörer für ihre Sorgen, ihre Tiere sind ihre Familie“, bringt sie die sozialen Anforderungen und die emotionalen Belastungen auf den Punkt.

Unempfindlichkeit als Voraussetzung

Wer kein Blut sehen kann oder geruchstechnisch empfindlich ist, der wird während der OPs oder beim Wegputzen der Hinterlassenschaften als Tierarztassistent/in schnell an seine Grenzen stoßen. Im beruflichen Alltag darf man im Umgang mit Urin, Kot, Krebstumoren, Erbrochenem, Verwahrlosung und dgl. nicht empfindlich sein.

Außerdem ist Flexibilität ein Gebot der Stunde. Unvorhersehbare Notfälle halten sich nicht an Arbeitszeiten und schwer kranke Tiere müssen auch an den Wochenenden versorgt werden. Patientenanstürme gehen außerdem immer vor, Freizeit kommt später.

Menschenfreundlichkeit gehört dazu

Der Arbeitsbereich als Tierarztassistent/in ist breit gefächert: Büroarbeiten wie Futter- und Medikamentenbestellungen, E-Mail-Verkehr, telefonische Terminvergabe, umfassende Kundenberatung, Labortätigkeiten und Assistenz bei Untersuchungen, Ultraschall, Röntgen, Operationen und Reinigungsarbeiten aller Art sind neben einem offenen Ohr für Patientenbesitzer ein Muss. Wer sich selbst darin gut aufgehoben sieht, dem kann das Schönste zuteilwerden, was man sich beruflich vorstellen kann.

Tamara hat dieses Ziel erreicht: „Man kann Mensch und Tier auf sehr schweren Wegen begleiten und sie unterstützen, einfach da sein. Es entstehen sehr schöne Bekanntschaften und sogar Freundschaften. Dieser Beruf ist der wundervollste, aufregendste, bunteste und manchmal traurigste, den ich mir vorstellen kann – ich liebe ihn!“