Soziale Aufmerksamkeit: Hunde lernen ähnlich wie Menschen

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Am Messerli Forschungsinstitut in Wien wird intensiv an der Mensch-Tier-Beziehung geforscht. Soziale Aufmerksamkeit spielt beim Lernen für beide eine wichtige Rolle. / Foto: VetMed Uni Wien

Wie wichtig ist Soziale Aufmerksamkeit? Am Messerli Forschungsinstitut an der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurde mit Border Collies über den Zusammenhang zwischen Lernfähigkeit und Alter geforscht. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

In einer ersten Testsituation wurden die Tiere –  145 Border Collies im Alter von sechs Monaten bis 14 Jahren – mit einem Kinderspielzeug konfrontiert, das plötzlich von der Decke baumelte. Dabei stellte sich heraus, dass alle Hunde zu Beginn ähnlich rasch auf den Reiz reagierten. In der zweiten Situation betrat eine dem Hund bekannte Person den Raum und gab vor, eine Wand anzumalen. Alle Hunde reagierten, indem sie die Person und die Malerrolle in den Händen der Person länger betrachteten, als das Spielzeug, das zuvor von der Decke hing.

„Die soziale Aufmerksamkeit war bei allen Hunde größer als die nicht-soziale Aufmerksamkeit. Sie achten im Schnitt also eher auf Objekte, die von Personen benutzt werden, als auf Objekte ohne Personen. Wir fanden auch heraus, dass ältere Hunde genauso wie reifere Menschen eine gewisse Gelassenheit zeigen. Sie sind nicht so rasch aus der Ruhe zu bringen wie jüngere Hunde“, schlussfolgert Wallis.

Lernmaximum in der „Pubertät“

Auch die selektive Aufmerksamkeit wurde untersucht, indem die Zeitspanne vom Finden von Wurststückchen bis zur Aufnahme eines Blickkontakts mit der jeweiligen Person ermittelt wurde. Es waren die Hunde mittleren Alters (3-6 Jahre), die am schnellsten reagierten. „Beim Menschen gibt es im Alter zwischen 20 und 39 einen vergleichbaren Höhepunkt der sensomotorischen Fähigkeiten“, so Wallis. Junghunde reagierten hier manchmal etwas verzögert. Die schwierige Phase der hormonellen Umstellung während ihrer Adoleszenz (1-2 Jahre) ist vergleichbar mit der Pubertät beim Menschen. Es zeigte sich aber auch, dass adoleszente Hunde jedoch nach mehreren Wiederholungen ihre Leistung schneller verbesserten als andere Altersgruppen. Die Lernkurve der Pubertierenden ist demnach am steilsten.

Mensch-Tier-Beziehung Messerli Forschungsinstitut
In unterschiedlichen Versuchsanordnungen wird mit 145 Hunden geforscht.

Da die Entwicklung der Aufmerksamkeit damit im Laufe eines Hundelebens viele Parallelen zur menschlichen Entwicklung aufzeigt, dienen Hunde als Modelltiere für verschiedene psychologische Erkrankungen des Menschen. Beispielsweise kann der Verlauf von Erkrankungen wie ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) oder Alzheimer am Verhalten der Vierbeiner studiert werden.