English Setter – getüpfelter Athlet

Ein English Setter in Tricolor liegt auf einer Wiese.
Der English Setter wurde und wird heute noch als Vorsteher bei der Jagd eingesetzt. / Foto: pixabay.

Der English Setter ist eine sportliche und sehr intelligente Hunderasse. Früher wie heute wird er in der Jagd als Vorstehhund verwendet, ein starker Jagdtrieb liegt ihm also im Blut. Trotzdem kann er auch als freundlicher Familienhund gehalten werden.

English Setter (Hunderasse) – Klassifikation FCI

FCI-Gruppe 7: Vorstehhunde.
Sektion 2.2 – Britische und irische Vorstehhunde, Setter.
mit Arbeitsprüfung
Ursprungsland: Großbritannien

Standardnummer: 2
Größe:

Rüden – 65-68 cm
Hündinnen – 61-65 cm
Verwendung: Vorstehhund

Geschichte und Herkunft

Zu den Vorfahren des English Setter gehören höchstwahrscheinlich spanische Pointer, Wasserspaniel und Springer Spaniel. Diese wurden vor rund 400 Jahren zu einer Hunderasse gekreuzt, die noch über lockiges Haar und die klassische Spaniel-Kopfform verfügte. Aus diesen Hunden soll sich der moderne English Setter entwickelt haben. Maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt war Edward Laverack: 1825 kaufte er einem gewissen Reverend A. Harrison zwei schwarz-weiße, Setter-ähnliche Hunde ab, einen Rüden namens „Ponto“ und eine Hündin namens „Old Moll“. Mit diesem Paar züchtete er in der damals gängigen Inzuchtpraxis eine Hunderasse, die hervorragende Jagdhunde abgaben. Er soll sehr auf die Leistungsfähigkeit in dem schwierigen Gelände des schottischen Hochmoores geachtet haben. Aus dieser strengen Selektion gingen die „Laverack-Setter“ hervor, die bald auf der ganzen Welt berühmt waren. 1874 wurde der erste dieser Hunde von einer Person namens C.H. Raymond nach Amerika importiert.

English Setter in der Neuzeit

Mit zunehmenden Alter jedoch verschob sich Laveracks Zuchtziel auf die Schönheit der Hunde, und seine Setter konnten die Prüfungen, die „Field Trials“, nicht mehr gewinnen. Kurz darauf entwickelte der Züchter R. Purcell Llewellin die „Laverack-Setter“ weiter, indem er Gordon Setter und Irish Setter einkreuzte. Seine Zuchtlinie sollte wieder einen idealen Hund für die Feldjagd hervorbringen. Diese waren speziell in Deutschland sehr berühmt: Denn dort jagte nicht nur die adelige Gesellschaftsschicht, sondern auch der Rest der Bevölkerung. Daher war der Bedarf nach Vorstehhunden für die Niederwildjagd groß – von 1880 bis 1890 wurden 500 „English Setter“ ins Deutsche Hundestammbuch eingetragen. Allerdings währte diese Hochzeit des English Setters in Deutschland nur kurz.

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts verdrängte das politische Machtstreben Deutschlands zur Weltmacht und aufkommender Nationalismus alle nicht-deutschen Hunderassen. Außerdem wurden statt der Einzeljagd mit Vorstehhund die großen Treibjagden mit Stöberhunden beliebt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg bemühten sich Liebhaber der Rasse, den English Setter durch Importe auch wieder in Deutschland aufleben zu lassen. Heute unterscheidet man zudem die Arbeitslinie mit kürzerem Fell und höherer Sensibilität und der Schaulinie mit größeren Körpern und längerem Fell.

Ein English Setter sieht vor schwarzem Hintergrund in die Ferne.
Bei den English Settern unterscheidet man zwischen der Arbeitslinie und der Schaulinie. / Foto: pixabay.

Wesen und Charakter

Obwohl der English Setter einen wachsamen und konzentrierten Jagdhund abgibt, ist er auch für sein freundliches und anhängliches Wesen bekannt. Seine Sozialisation ist stark auf den Menschen fokussiert, und er formt starke Bande mit seinem Herrchen oder Frauchen. In der Familie ist er sehr liebevoll und offenherzig sowohl gegenüber Zweibeinern als auch anderen Vierbeinern. (Kleinere Tiere könnte er allerdings als Beute sehen, also Obacht!) Als sehr soziales Tier ist es wichtig, den Hund am Familienleben aktiv teilnehmen zu lassen. Spielt der Welpe schon früh mit anderen Hunden, entwickelt er sich problemlos zu einem gut verträglichen Individuum.

Nichtsdestoweniger kann die Intelligenz und der Scharfsinn des English Setter eine Herausforderung für so manchen Hundehalter sein. Er braucht klare Regeln und Strukturen und eine konsequente, ruhige, aber bestimmte Führung. Trotz seines Eigensinns ist seine Erziehung jedoch nicht schwierig, sofern das Tier geistig und körperlich ausgelastet wird: Besondere Freude hat der English Setter an allen Formen von Nasenarbeit und am Apportieren. Er braucht täglich viel Auslauf und Hundehalter, die mit seiner fantastischen Ausdauer mithalten können. Unter diesen günstigen Umständen blüht der English Setter zu einem ausgeglichenen, anpassungsfähigen und gutmütigen Hund heran.

Ein English Setter steht mit stolz erhobenem Kopf neben einem Mann.
Der English Setter hat seinen eigenen Kopf, hängt aber auch sehr an seinen Menschen. / Foto: unsplash.

Erscheinungsbild

Als mittelgroßer Vorstehhund zeichnet sich der English Setter durch seine klarumrissene Silhouette, seine elegante Körperhaltung und seine kräftige Muskulatur aus. Typisch für diese Hunderasse ist der lange Hals mit starkem Nacken und die tiefe Brust. Der lange, trockene Kopf vermittelt Adel und Stolz im Ausdruck, die haselnuss- bis dunkelbraunen Augen blicken sanft und ausdrucksstark. Hunde mit braunen Tüpfeln dürfen auch hellere Augenfarben haben. Die tief angesetzten Ohren liegen dicht an der Wange an und sind mit seidigem Haar bedeckt. Die mittellange Rute schwingt in der Bewegung lebhaft von einer Seite auf die andere. Durch die langen, kräftigen Läufe bewegt sich der English Setter frei und anmutig mit kraftvollem Schub.

Fell und Pflege

Das Haarkleid des English Setter ist lang, seidig und leicht gewellt, aber nicht gelockt. An den Hinterläufen sind die Gliedmaßen behost und an den Vorderläufen befedert, die Rute zeichnet sich ebenfalls durch eine elegante Befederung aus. Bei den Fellfarben wird die charakteristische Tüpfelung der Hunde „Belton“ genannt, weil diese Bezeichnung auf Edward Laverack und sein 1872 geschriebenes Buch The Setter zurückgeht. Dabei handelt es sich um eine Tüpfelung oder ein Zusammenlaufen von Farben und wird unterschieden zwischen:

  • Blue Belton (schwarz und weiß)
  • Orange Belton (orange und weiß)
  • Lemon Belton (zitronenfarben und weiß)
  • Liver Belton (leberfarben und weiß)
  • Tricolor (Blue Belton oder Liver Belton mit Tan)

Bevorzugt werden Hunde mit Tüpfeln überall am Körper, große Flecken sind aber durchaus auch gerne gesehen. Das lange Fell des English Setter ist überraschend einfach zu pflegen: Ein- bis zweimal pro Woche sollte man es sorgfältig bürsten und kämmen. Nur im Frühjahr und Herbst fällt wegen des Fellwechsels tägliches Bürsten an. Nach dem Schwimmen oder Baden sollte man ihn gut abtrocknen, und auch die langen Ohren sollte man regelmäßig kontrollieren und reinigen.

Ein English Setter-Welpe mit sehr hellem Fell sieht in die Kamera.
Mittlerweile steht der English Setter auf der Liste gefährdeter Rassen, weil nicht mehr so viele Welpen geboren werden. / Foto: pixabay.

Gesundheit

Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung zwischen 12 und 15 Jahren kann sich der English Setter wirklich sehen lassen. Grundsätzlich gilt diese Hunderasse als gesund und robust und kann hohe Leistungen erbringen. Dennoch gibt es Erbkrankheiten, die der Rasse zu schaffen machen: allen voran Hüftdysplasie (HD) und eine mögliche angeborene Taubheit, die besonders bei Hunden mit viel Weiß im Fell auftreten kann. Ältere Hunde ab ca. 10 Jahren erkranken häufiger an verschiedenen Arten von Krebs. Auch Allergien gegen bestimmte Nahrungsbestandteile können auftreten.

Wusstest du, dass der English Setter...

… der Assistenzhund eines Präsidenten war?

Der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt war ein echter Hundefreund – mit ihm lebten mindestens sieben Hunde im Weißen Haus. Besonders angetan war er von seinem English Setter namens Winks (zu dt. „Zwinkern“), der ihm mit seinem ruhigen und freundlichen Wesen zur Seite stand, als der Präsident mit nur 39 Jahren an Polio erkrankte. Der Rüde soll neben Roosevelts Schreibtisch im Oval Office treu Wache gehalten haben, wenn dieser arbeitete.

Ein English Setter mit braunen Tüpfeln sitzt auf einer Wiese, im Hintergrund ist ein dunkler Hund zu sehen.
Den starken Jagdtrieb des English Setters muss man in andere Bahnen lenken - denn abtrainieren kann man ihn nicht. / Foto: pixabay.

Die Rasse im Überblick

Bewegung

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Fellpflege

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Familienfreundlichkeit

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Anfängertauglich

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English Setter-Welpen beim Vorstehen (Video)

Achtung, Konzentration! Diese süßen, 11 Wochen alte English Setter-Welpen haben eine Beute erspäht und zeigen das für Vorstehhunde typische Jagdverhalten – das Vorstehen. Dieser Hunderasse liegt der Jagdtrieb tief in den Genen.

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