Showlinie und Arbeitslinie: Unterscheidung innerhalb Hunderassen

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Welche Unterschiede gibt es bei Hunden zwischen Showlinie und Arbeitslinie. / Fotos: Matilda_321 & arsdigital - Fotolia

Einige Hunderassen sind in Showlinie und Arbeitslinie unterteilt. Strikter Trennung folgt nun eine Zusammenführung.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Showlinie und Arbeitslinie bei gewissen Hunderassen? Die eine zart, lebhafter, leichter, die andere imposant, ruhiger, behäbiger – so gibt es das etwa beim Labrador Retriever.

Allgemeines: Showlinie und Arbeitslinie

Vertreter einer Rasse, die der Show- oder der Arbeitslinie angehören, unterscheiden sich meist in Größe, Haarkleid, Statur, aber auch in Farbe, Charakter und Bewegungsdrang. Im Allgemeinen gelten Hunde aus der Arbeitslinie als aktiver und damit fordernder.

 

Die Showlinie (auch: klassische Linie) bezeichnet die Standardzucht ohne Leistungsprüfung. Hunde dieser Linie sind größer, ihr Kopf ist breiter, das Wesen ruhiger. Und insgesamt gelten sie als leichtführiger, sogar freundlicher. Und dann gibt es da noch die Arbeitslinie, auch Field-Trial-Linie genannt, deren Hunde schlanker, leichter und bei näherem Hinsehen deutlicher bemuskelt sind.

Unterschiede zwischen Showlinie und Arbeitslinie

Hunde, die der sogenannten Arbeitslinie angehören, wollen arbeiten, wodurch sie nervöser wirken. Sie wollen Aufgaben erfüllen und sind mit einem ausgeprägten Wunsch, zu gefallen (engl. „will to please“) versehen, der sie manchmal übereifrig wirken lässt. Dadurch werden Anfängern eher Hunde aus der Showlinie empfohlen.

Interessanterweise unterscheidet man in Amerika in Englische und Amerikanische Linie. Diese Unterscheidung ist darauf zurückzuführen, dass die englische Zucht sich mehr auf den Leistungsgedanken verlegte.

Ende des 19. Jahrhunderts kam die Unterscheidung in die klassische (Show-) und die Arbeitslinie auf. Tiere aus der Showlinie wurden und werden aber nicht nur auf Hundeausstellungen gezeigt, wie die Bezeichnung „Show“ vermuten lässt, sondern in der Zucht lag ein bedeutender Schwerpunkt auch auf dem Charakter. Man wollte große, wesensfeste, ruhigere Hunde züchten. Sie sollten freundlich wirken und hübsch anzusehen sein. Und ganz dabei wurden nebenbei die Fellfärbungen immer heller. Ein Beispiel dafür ist der Golden Retriever.

Heutzutage gibt es wahre Bären von Goldies, die kräftig und behäbig sind und vom ursprünglichen Jagdhund wenig verraten, dafür aber wallendes, cremeweißes Haarkleid besitzen und einen massigen Kopf. Denn neben der Körperform verrät vor allem die Kopfform, welcher Linie ein Vertreter der Rasse angehört. Ihre jagdlich geführten Kollegen findet man hingegen noch im goldenen Haarkleid von früher – daher acuh der Name Golden Retriever– mit zarterem Körperbau und deutlich wendiger.

Wiedervereinigung von Showlinie und Arbeitslinie

Ab dem 20. Jahrhundert starteten Züchter damit, die beiden Linien wieder zu vereinen. Im Sinne von Dual-Purpose-Typen war man bemüht, hübsche und arbeitsfähige Tiere zu züchten, die auf Ausstellungen punkten und auf der Jagd erfolgreich sein sollten.

Man wollte auch in der Hundewelt auf nichts verzichten, sich nicht mehr nur mit einem hübschen Äußeren oder mit ausgeprägtem Arbeitseinsatz zufriedengeben, sondern schöne und gut arbeitende Hunde hervorbringen. Das tat der Rasse nicht schlecht, denn dadurch entstanden ausgewogenere Exemplare und der Genpool weitete sich wieder aus.Die Unterscheidung in zwei Linien findet sich im Wesentlichen bei Gebrauchshunden: bei Jagd-und Hütehunden, aber auch bei nordischen Rassen wie dem Sibirian Husky.

Eine Rasse, zwei Linien

Australian Shepherds etwa unterscheiden sich je nach Linie im Haarkleid, in der Größe und in der Lebhaftigkeit. Allerdings handeltes sich dabei nicht um ein in Stein gemeißeltes Gesetz – beide Linien beherbergen atypische Vertreter, etwa energiegeladene Showlinienhunde oder Couch Potatos aus der Arbeitslinie.

Bei den Spaniels gibt es deutliche Unterschiede in der Befederung, aber auch bezüglich der Statur und anderer anatomischer Merkmale wie etwa der Körperlänge, der Abstände zwischen den Augen, der Ohrenansätze oder Ähnliches. Stellt man Vertreter der beiden Linien nebeneinander, sind die optischen Unterschiede oft sehr augenscheinlich – ganz zu schweigen von jenen der Wesenszüge.

In Ländern, in denen Kupieren noch erlaubt ist, werden bevorzugt den Hunden der Arbeitslinien die Ruten kupiert, damit sie sich bei der Jagd im Gelände weniger schnell verletzen. Weil die Showlinie insgesamt meist stattlicher wirkt, tippen viele Laien bei der Arbeitslinie auf Mischlinge der ursprünglichen Rasse. Tatsächlich ist die Unterscheidung der bei den Linien seit vielen Jahrzehnten üblich.

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