Kira Grünberg im Interview: „Balu ist Balsam für die Seele“

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Kira Grünberg mit Labradoodle Balu / Foto: Larentzakis Photography

Von der jugendlichen Rekordhalterin im Stabhochsprung zur Nationalratsabgeordneten und Sprecherin für Menschen mit Behinderung. Über den emotionalen Weg der sympathischen Tirolerin Kira Grünberg und ihren pelzigen Begleiter Balu.

Ein kurzer Moment kann das ganze Leben verändern … Bei Kira Grünberg war es der 30. Juli 2015. Die junge, ambitionierte Stabhochspringerin stürzte im Training schwer – die schockierende Diagnose für die damals erst 21-jährige Tirolerin: Querschnittslähmung.

Wer sich jetzt eine schwermütige, traurige oder niedergeschlagene Frau erwartet, der hat noch nie Kira Grünberg erlebt. Immer ein Lächeln auf den Lippen und ganz viel authentische Positivität. Wir haben die sympathische junge Frau getroffen und mit ihr vor allem über ihren pelzigen Begleiter geplaudert.

Im Jahr 2016 hat Ihre Familie einen wuscheligen Zuwachs bekommen. Der Labradoodle Balu ist als Assistenzhund bei Ihnen eingezogen. Wie hat sich Ihr Leben durch Ihn verändert?

Kira Grünberg: Es sind die vielen Kleinigkeiten, bei denen mir Balu oft zur Seite steht. Er hebt Sachen auf, die mir runterfallen, er bringt Kleidungsstücke in den Wäschekorb, er öffnet den Kühlschrank für mich oder bringt mir die Post aus dem Erdgeschoß. Und er darf bei mir im Bett schlafen und ist SEHR kuschelbedürftig. Manchmal übersieht er nur etwas, dass er knapp 33 Kilo hat. Aber Balu hilft nicht nur im Alltag – er ist einfach Balsam für die Seele.

Warum wurde es genau Balu? Viele Hundebesitzer sprechen ja oft von „Liebe auf den ersten Blick“ oder „er hat mich ausgesucht“.

Bei Balu war es eher „Liebe auf den ersten Schlaf“. Als wir das kleine Wollknäuel zum ersten Mal in seiner Zuchtstätte besucht haben, ist es gleich auf meinem Schoß eingeschlafen. Der kleine Balu war außerdem der Dickste und Größte – das hat mir auch gefallen. Nach sechs Wochen haben wir ihn dann noch mal besucht – und die erste Liebe hat natürlich angehalten … Ungefähr ein Jahr hat es dann aber noch gedauert, bis Balu zu uns nach Tirol gekommen ist. Mit einem befreundeten Hundetrainer aus der Gegend haben wir dann intensiv mit unserem neuen Familienmitglied gearbeitet – bis wir dann im August 2017 die Prüfung zum Assistenzhund mit Auszeichnung bestanden haben.

Ist der kleine Balu so ein Streber?

Eher das Gegenteil, aber so brav wie bei der Prüfung war er vorher noch nie – und auch nachher nie wieder. Nach dem großen Tag hat er dann aus Überzeugung zwei Wochen lang alle Kommandos dezent – sagen wir – überhört.

Waren Ihnen Hunde schon immer wichtig?

Um ehrlich zu sein, hatte ich vor Balu noch keinen Hund. Und mein Papa war eigentlich auch streng gegen einen Hund. Aber nach meinem Unfall konnte er mir einfach nichts absprechen. Und heute ist Balu auch ein richtiger Papa-Bub – die zwei sind fast jeden Tag gemeinsam unterwegs zum Spazieren und Wandern.

War der Rollstuhl für den jungen Rüden am Anfang ein Problem?

Nein – überhaupt nicht. Balu kennt mich ja nicht anders. Und mir war es ehrlich gesagt auch immer egal, ob er zum Beispiel links oder rechts von mir gegangen ist.

Hat Balu auch tierische Freunde?

Irgendwie spielt er am liebsten mit den Hunden, mit denen die anderen nicht spielen wollen. Aber sein bester Freund ist definitiv Lucky – ein 80 Kilo schwerer Neufundländer. Richtig wichtig sind ihm aber auch seine Chihuahua-Freunde.

Sie sitzen inzwischen als Sprecherin für Menschen mit Behinderung für die ÖVP im Nationalrat. Was sind hier Ihre Ziele? Was wollen Sie erreichen oder verändern?

Ich würde gerne meinen Teil dazu beitragen, dass Menschen mit Behinderung die gleichen Chancen bekommen wie alle anderen. Wir müssen durch noch mehr Barrierefreiheit das Leben für ALLE Menschen vereinfachen. Und zum Thema Assistenzhund würde ich gerne noch eines anmerken: Oft werden ich oder andere Herrchen und Frauchen von geprüften, tierischen Begleitern schief angeschaut, wenn der Hund ohne Leine läuft oder beim Lebensmitteleinkaufen dabei ist. Assistenzhunde dürfen das und sind auch dafür ausgebildet. Oft fehlt leider ein bisschen das Verständnis für unsere tollen pelzigen Helferleins. Da wäre es besonders schön, wenn das einfach mehr Leute auch wissen würden.

Sie lächeln generell sehr viel. Was ist das Geheimnis Ihrer guten Laune?

Ich war schon vor dem Unfall ein sehr fröhlicher Mensch – und man kann auch mit Rollstuhl ein sehr schönes Leben führen. Sachen, die ich nicht so gut kann, blende ich halt einfach aus. Und man muss ehrlich sagen: Ich habe einen super Job, eine tolle Familie. Ich bin einfach dankbar, dass ich alles so annehmen hab können!

Kira Grünberg ist sicher eine der inspirierndensten Persönlichkeiten. In ihrem Buch „Mein Sprung in ein neues Leben“ erzählt sie ihre Geschichte.

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