Mittwoch, November 30, 2022
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Zu feinfühlig fürs Leben – vierbeinige Superfühlhelden im Alltag

Hunde sind dafür bekannt, sehr feine Sinne zu haben und vor allem die Emotionen von Menschen wahrzunehmen. Es gibt jedoch Hunde, die das besonders gut können, die Dinge sehen, hören und riechen, welche anderen Hunden entgehen und die auf Emotionen bei Mensch und Tier sehr stark reagieren. Text: Iris Schöberl

Meine Rhodesian Ridgeback Hündin Ekhaya war solch ein besonders feinfühliger Hund, manchmal zu feinfühlig fürs Leben. Sie hat die Emotionen aller Menschen in ihrem Umfeld aufgesaugt. Sie hat kleinste Veränderungen in eine m Raum erkannt, jeden noch so kleinen Reiz beim Spazierengehen genau untersucht und wenn es ein Käfer, der ihren Weg gekreuzt hat. Diese feine Wahrnehmung ist zwar eine Gabe führt jedoch auch zu einer schnelleren Reizüberflutung und Ermüdung.

Hochsensibilität kurz erklärt

Hochsensible Personen (kurz genannt auch HSP) brauchen mehr Ruhe
und vor allem Strategien, um mit den vielen Reizen in ihrem Leben zurecht zu kommen. Denn bei HSP werden vom Gehirn mehr Informationen als wichtig eingestuft und bewusst verarbeitet, als bei Nicht – HSP. Hochsensibilität ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, welches bei ungefähr 15 – 20% der Bevölkerung bei Mensch und Tier beobachtet werden kann. Bei HSP ist die
Verarbeitung sensorischer Reize und emotionaler Informationen besonders detailreich. Dadurch nehmen sie auch Gefahren früher wahr und reagieren entsprechend schneller.

Umgang mit hochsensiblen Hunden

Hochsensibilität in Kombination mit einer schädlichen Umwelt in der frühen Welpenzeit erhöht das Risiko von Ängstlichkeit bis hin zu vermehrter Stress – Reaktivität. Lernt der hochsensible Hund nicht mit den vielen Reizen, welche er verarbeiten muss, zurecht zu kommen, so führt das schnell zu Überförderung. Dies kann sich in Hyperaktivität bis hin zu Affektsprüngen wie zum Beispiel Wutausbrüchen äußern. Seit neuestem bekommen auch Hunde diverse Diagnosen wie ADHS und Co, obwohl sie einfach nur reizüberflutete, vollkommen überforderte und missverstandene Wesen sind, die mehr Unterstützung bräuchten. So ist es kein Wunder, dass hochsensible Hunde mehr Verhaltensprobleme zeigen als nicht – hochsensible Hunde. Durch die hohe Verarbeitungsrate von Informationen ist der Speicher bei HSP schneller voll und die Leistung entsprechend geringer. Hochsensible Hunde sind daher schneller unkonzentriert und leichter abgelenkt. Im Leben mit einem hochsensiblen Hund ist es somit besonders wichtig, auf Reizreduktion zu achten und dem Hund möglichst von klein an Strategien beizubringen, wie er mit dieser Fülle an Reizen gut zurechtkommen kann.

Ekhaya läuft fröhlich über einen Weg. Im Hintergrund sieht man Bäume.
(c) Schöberl

Folgende Aspekte können im Alltag mit einem hochsensiblen Hund hilfreich sein:

Reizreduktion und Ruhe

  • Bis zu 20 Stunden Ruhe (jedoch zumindest 16 Stunden)
  • Genügend Pausen und Rückzug in eine reizarme Umgebung bieten
  • Kurze Aktivitäten mit Pausen
  • Hinterfragen, ob die geplante Aktivität für meinen Hund förderlich ist oder vielleicht sogar zu Überforderung führt
  • Besser kleinere Hundegruppen bzw. wenige ausgewählte Hundefreunde, als ständig neue Hundekontakte oder große Gruppen

 

Die Wichtigkeit der Alltagsstruktur

  • Geregelter Tagesablauf und Rituale geben Sicherheit
  • Hektische Besorgungen oder Besuche von Events/Einkaufszentren besser ohne Hund
  • Und vor allem auf die eigene Stimmung achten, denn gerade hochsensible Hunde sind Experten in der Stimmungsübertragung!

Den Hund in seinem Besonderssein annehmen und wertschätzen – das hört sich zwar einfach an, ist letztendlich einer der schwierigsten und wichtigsten Schritte!

Fazit und Ausblick

Hochsensibilität ist eine besondere Gabe, welche viele Vorteile mitbringt, jedoch auch zu Belastungen führen kann. Der Fokus im Leben mit hochsensiblen Hunden liegt dabei individuelle Strategien zu entwickeln, wie mit den vielen Reizen umgegangen werden kann. Hierzu zählt auch Reizreduktion und ein entspanntes Umfeld im Alltag. Hochsensible Hunde
benötigen über das typische Alter hinaus, manchmal bis ins hohe Alter, vermehrt Unterstützung bei ihrer Stress -und Emotionsregulation. Um dies zu erlangen, zitiere ich gerne Lin Yutang: „Die Weisheit des Lebens besteht im Weglassen des Unwesentlichen“

Über die Autorin:

Mag. Iris Schöberl, PhD, ist Verhaltensbiologin und Hundeverhaltensberaterin. Ihre Kernthemen sind Bindung, Stress, Trauma, Stimmungsübertragung
und Hochsensibilität, zu welchen sie auch Vorträge, Seminare und Workshops
anbietet. Darüber hinaus ist sie psychologische Beraterin, Familienberaterin,
Säuglings -, Kinder- und Elternberaterin und Lehrende an diversen Hochschulen.

www.beratungundtraining.at
info@beratungundtraining.at

Porträtfoto von Iris Schöberl
(c) Schöberl

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