Herdenschutzhund überlebt Einschläfern – was nun?

Ein Šarplaninac liegt auf dem Boden und schaut traurig in die Kamera.
Herdenschutzhunde wie der Šarplaninac enden leider immer wieder in nicht artgerechter Haltung - und aus Frustration oder Unwissen kommt es zu oft zu Bissen. / Symbolfoto: unsplash.

Nachdem er drei Männer gebissen hatte, wollte man den Šarplaninac einfach einschläfern lassen – unter sehr verdächtigen Umständen. Doch dann geschah ein Wunder. Der Herdenschutzhund überlebt die Todesspritze, aber nun braucht er Hilfe. Und vor allem ein neues Zuhause.

Herdenschutzhunde wie der Šarplaninac, Kangal oder Kuvasz entwickeln sich momentan leider zur neuen Mode. Denn immer mehr Menschen wollen die impostanten Wachhunde als normale Haustiere halten. Doch die Haltung der meisten Herdenschutzhunde geht mit sehr speziellen Herausforderungen einher: Die robusten Arbeitstiere brauchen ein großes Grundstück zum Bewachen und müssen einer Aufgabe nachgehen dürfen, um ihren ausgeprägten Schutztrieb zu befriedigen. Zudem sind sie daran gewöhnt, in von ihnen als gefährlich eingestuften Situationen eigenständig zu handeln – und bei den massigen Tieren mit den krätigen Kiefern kann es schnell zu schweren Verletzungen kommen, wenn man nicht auf ihre Signale achtet. Wie die Krone berichtete, kam es in Wien zu so einem Fall: Ein fünfjähriger Šarplaninac lebte seit Welpenalter auf dem Grundstück einer Familie, bei Besuch kommt er zur Sicherheit in den Zwinger. Vor drei Wochen betraten der Hundebesitzer und ein Bekannter zusammen den Zwinger, und aus unbekannten Gründen eskalierte die Situation. Der Rüde griff den Bekannten an. Ein durch die Hilfeschreie alarmierter Verwandter und der Halter versuchten einzugreifen, wurden aber ebenfalls verletzt. Alle drei Männer mussten ins Krankenhaus gebracht und stationär aufgenommen werden.

Der Hund muss weg!

Nach dieser schrecklichen Erfahrung wollte der Hundebesitzer den Šarplaninac nicht mehr bei sich haben. Obwohl sich die Tochter des Hundehalters und Frau eines der Bissopfer von dem auf Herdenschutzhunde spezialisierten Tierschutzverein „Secure Base“ beraten ließ, wollte der Vater ihn einschläfern lassen. Doch alle Anfragen wurden von den Tierärzten abgelehnt. Einen gesunden Hund wolle und könne man nicht grundlos euthanisieren. Am 23. September kam der Besitzer mit einer amtstierärztlichen Bestätigung zu einer Veterinärin, diese stimmte daraufhin einer Einschläferung zu. Wie sich später jedoch herausstellte, hatte das Amt diese Bestätigung nie ausgestellt. Die Tierärztin soll dem Hund daraufhin ein Mittel verabreicht haben. Der Rüde schleppte sich zum Zaun des Grundstück und brach dort zusammen, atmete aber noch. Nach einigem Warten soll die Tierärztin den Besitzer gefragt haben, ob er einen Jäger kenne, der es „schnell zu Ende bringen könne“, so die Tochter. Danach ließ die Veterinärin Hund und Familie alleine in dieser Situation zurück.

Herdenschutzhund überlebt

Es war beinahe ein Wunder, denn der Herdenschutzhund überlebt die Todesspritze. Eine am 24. September hinzugezogene Tierbestatterin war schockiert, als sie das Grundstück betrat, um einen Kadaver abzuholen – und den Rüden lebend vorfand. Auch sie meldete sich bei „Secure Base“ – wie die Tochter, die um Hilfe bat. Was solle man nun mit dem Hund tun? Zum Glück konnte der Verein in Absprache mit der VetMedUni Wien und dem Nottierarzt eine Lösung finden. „Der arme Šarplaninac wurde vorübergehend in einer Pension untergebracht, wo er durch Schließer – also zweigeteilte Zwinger mit Innen- und Außenbereich – von außen gefahrlos zu versorgen ist“, so Vereinsexpertin Sissy Lippitz. „Unser größter Dank gilt dem Pensionsinhaber, welcher sogar bereit war, uns die ersten 30 Tage der Unterbringung zu spenden und keinen Tagsatz für den Hund zu nehmen.“

Wie geht es jetzt weiter?

Das nachlässige Verhalten der Tierärztin schockiert die Expertin zutiefst – denn es sei nicht gesetzeskonform, zu einer Erschießung durch einen Jäger zu raten: „Dieses Fehlverhalten sollte umgehend den zuständigen Behörden gemeldet werden, was wir selbstverständlich auch tun.“ Natürlich ist die Unterbringung in der Hundepension nur eine vorübergehende Lösung. Dennoch ist die Zukunft des Rüden noch ungewiss. Auf jeden Fall bemüht sich der Verein, ein neues Zuhause für den Šarplaninac zu finden, wo dieser gut und sicher aufgehoben ist. Die Tochter des Hundehalters kommt jeden Tag zu Besuch, um dem Rüden beizustehen. Laut Lippitz ist dessen Schicksal aber leider kein Einzelfall. Sehr oft werden Herdenschutzhunde nach einem Beißvorfall eingeschläfert, denn eine Weitervermittlung ist nach einem solchen Vorfall beinahe unmöglich. Obwohl diese Hunderassen und auch deren Mischlinge nur in die fähigsten Hände gehören, reißt der Strom dubioser Welpenverkäufer (oftmals aus dem Ausland), die sich nicht um den sicheren Verbleib der Hunde kümmern, nicht ab.