USA: Hund Zelda fand Weg zurück nach Hause – nach 97 Tagen

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Nach einer langen, beschwerlichen Reise hatte Zelda endlich den Weg zurück gefunden. / Fotos: Seneca Krueger via The Dodo.

Zeldas Pflegemutter hatte die scheue Streunerin gerettet wie schon viele Hunde vor ihr. Als diese an ein neues Zuhause weitervermittelt wurde, riss die Hündin jedoch aus – und machte sich auf den langen Heimweg zu ihrer wahren Familie.

Die US-Amerikanerin Seneca Krueger ist eine richtige Veteranin, wenn es um die Rettung von Hunden in Not geht. Schon 30 Fellnasen hat die in St. Paul, Minnesota lebende Psychotherapeutin zur Pflege und Weitervermittlung bei sich aufgenommen. Als sie den 6-jährigen deutschen Schäferhund-Mischling Zelda bei sich aufnahm, wusste sie noch nicht, dass dieser besondere Hund für immer bleiben würde – wenn auch auf Umwegen.

Ein besonderes Band

Als Krueger Zelda aus einem überfüllten Tierheim in Texas holte, war die Hündin extrem scheu und ängstlich. Sie verbrachte die meiste Zeit damit, sich zu verstecken oder unruhig auf und ab zu gehen; sie ruhte selten, war ständig wachsam und erschreckte schnell. Da sich Zelda an der Leine am wohlsten zu fühlen schien, startete sie Tether Training – das Anbinden des Hundes an einer kurzen Leine im Haus oder in der Nähe von Menschen für kurze Zeitabstände, um Verhalten wie z.B. keine konstante Verfolgung des Besitzers, alleine sein oder längere Ruhephasen zu trainieren. Die rastlose Zelda sprach gut auf das Training an und kam immer öfter von selbst aus ihrem Versteck, um Krueger nahe zu sein. Nach zwei Monaten wedelte sie endlich mit dem Schwanz, nach vier Monaten bellte und spielte sie.

Nach sieben Monaten war es schließlich soweit: Krueger startete die Weitervermittlung von Zelda an ihr neues, endgültiges Zuhause. „Das ist es, was man als Pflegeeltern tun soll“, erklärte Krueger im Dodo-Interview. „Man hilft ihnen, sich anzupassen, und sagt ihnen dann froh Lebewohl, wenn sie weiterziehen in jenes Leben, welches das beste für sie ist.“ Auf dem Weg zu Zeldas neuer Familie, ca. 64 Kilometer von Kruegers Haus entfernt, merkte sie, dass ihr der Abschied diesmal schwerer fiel als sonst.“Ich musste rechts ranfahren, weil ich nichts mehr durch die Tränen sah“, so Krueger. „Zum ersten Mal seit zwölf Jahren als Pflegemutter fühlte ich mich, als würde ich meinen eigenen Hund abgeben.“ Dennoch tat sie, was sie für das Beste für Zelda hielt, und übergab die Hündin an ihre neue Familie.

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Zelda entschied selbst, bei wem sie bleiben wollte - und machte sich ganz alleine auf den langen Heimweg. / Fotos: Seneca Krueger via The Dodo.

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Zelda kehrt heim – von ganz allein

10 Tage später erhielt Krueger die schreckliche Nachricht, dass sich Zelda von der Leine losgerissen und verschwunden war. Sofort fuhr sie los, um nach der Hündin zu suchen; auch das freiwillige Suchteam START (= „Search, Track and Retrieval Team“, zu dt. „Such-, Aufspür- und Abholteam“) stellte Futterstationen und Kameras im Umkreis auf – doch Zelda blieb verschwunden. Der Winter setzte ein, und Krueger suchte besonders verbissen nach der Hündin, stapfte durch Schneefelder und folgte Hundespuren im Eis – leider weiterhin vergeblich. Doch schon bald trudelten erste Bilder von Zelda ein, und Krueger merkte anhand ihrer Route schließlich, dass die Hündin auf dem Weg zurück zu ihr war.

Inzwischen hatten die Adoptiveltern Zeldas diese an die Vermittlungsorganisation Wags & Whiskers Animal Rescue zurückgegeben, sodass sie zumindest auf dem Papier wieder in Kruegers Besitz überging. Als Zelda in der Nähe von Kruegers Nachbarschaft gesichtet wurde, stellte diese Futterstationen auf und legte schmutzige Wäsche in den Vorgarten, um der Hündin die Heimkehr zu erleichtern. Schließlich meldete sich ein Ehepaar bei Krueger, die in den letzten Tagen einen streunenden Hund gefüttert hatten, der Zelda ähnlich sah. Krueger wagte kaum zu hoffen, dass es sich um „ihren“ Vierbeiner handeln sollte, und erkannte die deutlich geschwächte Hündin nicht sofort wieder. Eine Chip-Überprüfung beim Tierarzt stellte jedoch zweifelsfrei fest: Nach 97 Tagen war Zelda heimgekehrt.

 

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Wieder vereint

„Es war ein Wunder“, ist sich Krueger sicher. „Ich hätte niemals gedacht, dass die ganze Zeit, während ich nach Zelda gesucht habe, sie auch nach mir gesucht hat.“ Unter Tränen bat sie die Fellnase um Verzeihung, dass sie sie nicht sofort erkannt hatte. Zelda kam wieder mit ihr nach Hause – und dieses Mal für immer. Mittlerweile hat die Hündin sich gut an das erneute Leben bei den Kruegers gewöhnt und weicht ihr nicht mehr von der Seite, und auch Kruegers andere Hunde haben sie vollkommen als Familie akzeptiert. „Zelda ist jetzt offiziell mein Hund“, verkündet sie. „Aber sind wir mal ehrlich, ich hatte eigentlich keine Wahl. Sie ist sehr hartnäckig.“

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Krueger und Zelda sind nun unzertrennlich! / Foto: Seneca Krueger via The Dodo.