Schwerkranker Chihuahua in Eiseskälte ausgesetzt

Der schwerkranke Welpe wurde bei Eiseskälte ausgestzt
Chihuahua Franzi
Franzi wurde vermutlich Opfer einer Qualzucht. Foto: © WTV

Sie war vermutlich als „Mängelexemplar“ eingestuft – und somit einfach ausgesetzt worden. Bei Eiseskälte fand man eine erst fünf Wochen alte, schwer überzüchtete Chihuahua-Hündin in einem Einkaufskorb in Vösendorf.

Kaum auszudenken ist, was diese erst fünf Wochen alte Chihuahua-Hündin vermutlich bereits mitmachen musste. In Vösendorf war der arme Vierbeiner bei dieser Eiseskälte ganz einfach in einem Einkaufskorb ausgesetzt und seinem Schicksal überlassen worden. Der Welpe hatte Glück im Unglück und wurde von aufmerksamen Passanten gerade noch rechtzeitig ins Tierschutzhaus des Wiener Tierschutzvereins gebracht.

Ein ganz erschütterndes Bild bot sich dort den Tierärztinnen, die das Chihuahua-Mädchen umgehend untersuchten. Laut einer Aussendung des Wiener Tierschutzvereins dürfte sie aus einer Qualzucht stammen, wie die multiplen Beschwerden zeigen. Sie weist nicht nur eine offene Fontanelle auf, die in etwa der Größe einer zwei Euro-Münze entspricht. Die auf den Namen Franzi getaufte Hündin leidet auch an einem „Wasserkopf“ (Hydrozephalus), einem stark verkürzten Unterkiefer, einem Nabelbruch, einem Knick in der Nase und einem Knickschwanz. Daneben wurden noch schwere Herzrhythmusstörungen und Atemprobleme festgestellt. Zudem wurde sie viel zu früh von ihrer Mutter getrennt.

„Mängelexemplar“?

„Haustiere auszusetzen ist generell eine unmenschliche Grausamkeit und strengstens verboten. Wenn es sich dabei überdies noch um ein hilfloses, überzüchtetes Jungtier mit zahlreichen Erkrankungen handelt, gibt es dafür keine Worte mehr. Es liegt jedenfalls der Verdacht nahe, dass das Tier aus einer Qualzucht stammt und quasi als „Ausschussware“ einfach abgelegt wurde, da es nicht den Anforderungen entsprach“, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Franzi wurde jedenfalls sofort erstbehandelt, erhält aktuell Medikamente, die den erhöhten Hirndruck senken sollen und wird vom WTV-Personal besonders vorsichtig und liebevoll betreut. Der Hündin steht allerdings noch eine harte Zeit bevor, denn ihre Beschwerden machen zahlreiche weitere Untersuchungen und Behandlungen notwendig, bevor sie in kundige Hände vergeben werden kann. „Es wird noch sehr viel liebevolle Betreuung und medizinische Versorgung nötig sein, bis „Franzi“ in ein neues Zuhause ziehen kann. Erst wenn sichergestellt werden kann, dass die neuen Besitzer mit ihr nicht ständig zum Tierarzt laufen müssen, werden wir diesen Schritt wagen. Bis dahin wird der WTV alles in seiner Macht stehende tun, um der armen Hündin zu helfen“, so Petrovic.

Kein Einzelfall

Fälle wie diese gibt es leider immer wieder. Durch das massive Überzüchten, um die gewünschten rassetypischen Merkmale zu verstärken, entstehen sehr häufig Missbildungen und schwere gesundheitliche Schäden. Gerade bei Kleinrassen (so genannten „Toy-Rassen“), wo gezielt auf „Kindchenschema“ getrimmt wird, sind diese praktisch schon vorprogrammiert. Solange die Nachfrage nach derartigen Tieren weiter besteht, wird auch das Angebot nicht weniger.