Polizei Leipzig: Skandal um Gewalt an Diensthund in Ausbildung

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Die Medien und Hundetrainer kritisierten die Behandlung des Malinois, nun wolle die Polizei Leipzig die Ausbildungsmethoden überdenken. / Symbolbild: pixabay.

Die Polizei Leipzig erntete letzte Woche Kritik, als ein Video eines Hundeführerlehrgangs die Öffentlichkeit schockierte: Ein Diensthund wurde mit einem Stock geschlagen, nachdem er nicht mehr auf die Kommandos der Hundeführerin reagierte. Nun gibt es eine offizielle Stellungsnahme.

Letzte Woche enthüllte das Onlinemedienportal tag24 schockierende Bilder eines Hundeführerlehrgangs der Polizei Leipzig im Juli 2020: Ein Malinois hatte sich in eine Polizistin im Schutzanzug verbissen, die im Zuge einer Übung als Flüchtende agiert haben soll. Angeblich habe der Hund nicht mehr auf die Kommandos der Hundeführerin reagiert, worauf diese mit dem Stock mehrmals zuschlug. Zwei Beamte im Vordergrund sollen die Hundeführerin u.a. mit den Worten „Mach druff jetzt auf das Vieh!“ angefeuert haben. Die Leserschaft der Onlinezeitung war schockiert, und auch die von tag24 befragte Hundetrainerin Claudia Lutz kritisierte die Vorgehensweise: „Der hier gefilmte Umgang mit dem Hund und die ausgeübte Gewalt ist aus Sicht modernen Hundetrainings völlig inakzeptabel und ist als tierschutzrelevant zu beurteilen.“ Wer den Videoclip aufgenommen hat, ist nicht bekannt, doch laut der Polizei Sachsen wurde das Bildmaterial am 22. September 2020 anonym bei der Leitung der sächsischen Diensthundeschule in Naustadt eingereicht, die es an die Polizeidirektion Leipzig weiterleitete. Schon am nächsten Tag soll Polizeipräsident Torsten Schultze diese „Ausbildungsmethode“ untersagt und eine dienstrechtliche Prüfung sowie Bewertung der strafrechtlichen Relevanz angeordnet haben. Gegen fünf BeamtInnen wurde ermittelt. Am 7. Januar 2021 wurde dieses Verfahren eingestellt, da die Staatsanwaltschaft „keine strafrechtliche Relevanz im Sinne des Tierschutzgesetzes sah“.

Polizei will Ausbildungsstandards evaluieren

In der offiziellen Stellungsnahme zu dem Vorfall erklärte die Polizei Sachsen: „Die gezeigten Bilder und getroffenen Aussagen der begleitenden Beamten wirken nicht nur auf Hundefreunde verstörend und haben daher Konsequenzen.“ Nun sollen die Ausbildungsstandards der Diensthunde neu evaluiert werden, auch an der Hundeführerausbildung anderer Bundesländer will man sich orientieren.  Dennoch sei ein „nötiges Minimum“ an Strafe notwendig, denn: „Sie [Diensthunde] unterstützen die Beamten in schwierigen und teilweise auch lebensgefährlichen Situationen. Hierbei müssen sie in der Lage sein, auch aggressive und bewaffnete Täter sicher und ohne Furcht zu stellen. Daher müssen insbesondere Schutzhunde im Notfall auch ein gewisses Maß an aggressivem Verhalten zeigen können und in Extremsituationen sicher handeln sowie für die Beamten stets kontrollierbar bleiben. (…) Grundsätzlich unterscheidet sich die Schutzhundeausbildung von der Ausbildung im Hundesport dahingehend, dass deutlich höhere Anforderungen an die Verlässlichkeit des Polizeidiensthundes vorliegen müssen. Das Video spiegelt nicht den regelmäßigen Trainingsalltag in seiner Gesamtheit wieder.“ Die Polizei Sachsen lege großen Wert auf das Wohlbefinden der Tiere, und ein Verfahren wegen möglichen Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz sei bereits seit fünf Jahren nicht mehr geführt worden.