Freitag, September 30, 2022
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Mahnwache für acht tote Rottweiler

Das grauenhafte Schicksal der achte Rottweiler in der Steiermark hat österreichweit für Schlagzeilen gesorgt. Im Raum steht der Verdacht, der Besitzer hätte seine Hunde einfach verhungern lassen. Heute, Sonntag, haben sich hunderte Tierfreunde – nicht nur aus Österreich – auf einem Firmengelände, das an das Grundstück des Züchters in Unterpremstätten angrenzt, zu einer Mahnwache versammelt.

Man sieht es in den Gesichtern aller die gekommen waren: den Menschen ist es ein Bedürfnis dabei zu sein und damit zu zeigen, dass jetzt, rund drei Wochen nach den ersten Meldungen, nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden darf. Auf dem Grundstück eines Rottweiler-Züchters hatten Tierschützer und Exekutive Anfang Mai vier tote, völlig abgemagerte, erwachsene Hunde und in weiterer Folge noch acht tote Welpen gefunden. Befürchtungen, es könnte angesichts der spürbaren Wut in zahlreichen facebook-Postings im Vorfeld zu Ausschreitungen kommen, erwiesen sich als unbegründet. Das Polizeiaufgebot hatte lediglich damit zu tun, den Verkehr anzuhalten, als die vielen Teilnehmer für kurze Zeit auf die angrenzende Straße ausweichen mussten.

 

Unter Tränen fordert eine Tierfreundin die anwesenden Polizisten zu einer Stellungnahme auf. Wie hätte man so lange zusehen können? Diese können sich nur auf das laufende

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Die Versammlung verlief trotz der spürbaren Trauer und Wut vieler anwesender Hundefreunde friedlich.

Verfahren, das bei der Staatsanwaltschaft liege, berufen. Gleichzeitig beteuern die Beamten selbst Hundefreunde und Tierbesitzer zu sein und ganz sicher keine Tierquälerei im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu tolerieren. Jimmy F. Nordtmann, einer der Organisatoren der Mahnwache, findet dazu klare Worte: „Es geht uns nicht um Schuldzuweisungen irgendeiner Art. Dass so viele unserem Aufruf hierher gefolgt sind wollen wir dazu nützen, eine Bewegung in Gang zu bringen, die die verdienten Rechte für Hunde auch einfordert.“Immer wieder ist in den Reden und Gesprächen von dringend notwendigen Änderungen zu hören (siehe unten). Einhellig wird dabei vor allem von der Politik gefordert, Tiere im gesetzlichen Zusammenhang nicht länger als „Sache“ zu bezeichnen, um ihnen mehr Rechte einzuräumen und härtere Konsequenzen bei tierschutzrechtlichen Vergehen zu ermöglichen.Etwas später kommt auch die Nachbarin des beschuldigten Züchters zu Wort. Sie schildert unter Tränen wie sie ihren Nachbarn etwa eine Woche zuvor in einem Cafe auf die Hunde, die sie schon länger nicht mehr gesehen hätte, angesprochen hat. Seine lapidare Antwort: „Ich habe keine Hunde mehr, ich habe sie alle verkauft.“ Eine Woche später wurden die toten Tiere auf seinem Grundstück entdeckt…

Das fordern die Tierfreunde:

Jimmy F. Nordtmann (Organisator):

Hunde und Hundehaltung bringen der gesamten Gesellschaft so viel Nutzen, angefangen von hunderttausenden Arbeitsplätzen im deutschsprachigen Raum, über einen milliardenschweren Wirtschaftszweig bis hin zu einer massiven Entlastung der Krankenkassen durch erwiesenen, positive Effekte der Hundehaltung auf die Gesundheit von uns Menschen. Es ist an der Zeit unseren Hunden ihren Platz in der Gesellschaft zuzugestehen und sie auch entsprechend zu schützen! Freilich darf man nicht alle Züchter in einen Topf werfen. Aber es kann nicht sein, dass es für diese Tätigkeit keinerlei Voraussetzungen bedarf, keinerlei Prüfung oder ähnliches. Für nahezu jede andere Tätigkeit muss man zumindest einen Gewerbeschein besitzen. Auch die rechtlichen Möglichkeiten von Amtstierärzten und Exekutive müssen in diesem Zusammenhang erweitert werden. Wie kann es sein, dass die Polizei trotz Verwesungsgeruch keine Möglichkeit hat gegen den Willen des Besitzers das Grundstück zu betreten?“

Familie Gerstl, Teilnehmer

„Das Tiere immer noch als Sache gelten gehört geändert. Im konkreten scheint es hier schon Versäumnisse gegeben zu haben. Das hier ist ein kleiner Ort, hier kennt jeder jeden und das so etwas über Wochen unerkannt bleibt, ist schwer zu glauben.“

Sabine Lang, Organisation

„ Man sollte der Polizei jetzt keine Vorwürfe machen. Das bringt keinem was. Die Züchter müssten in Zukunft viel strenger durch die Amtstierärzte kontrolliert werden.“

Ursula Pratnecker, Tierschutzqualifizierte Hundetrainerin

„Alle Züchter müssten viel stärker kontrolliert werden. Die Amtstierärzte sind damit aber zeitlich überfordert. Erste Vorkontrollen müssten bei Verdacht beispielsweise von tierschutzqualifizierten Hundetrainern durchgeführt werden können um die Amtstierärzte zu entlasten und dennoch Lücken zu schließen. Außerdem sollte die Abänderung (wie in der Strafrechtsnovelle geplant) von sogenannten „Vergehen“ in tatsächliche „Verbrechen“ wirklich umgesetzt werden. Denn dann wäre es der Exekutive tatsächlich rechtlich erlaubt frühzeitig einzuschreiten und bei Verdacht auch private Grundstücke gegen den Willen der Besitzer zu betreten. Und drittens sollte die Bundesministerin für Gesundheit die im Tierschutzgesetz bereits in den Grundzügen vorgesehene Vorgaben zur Hundezucht im Rahmen einer Verordnung oder ähnlichem endlich genau definieren. Egal ob Mischling oder Rassehund – wer künftig Hunde züchtet, sollte klaren Rahmenbedingungen folgen müssen und Ausbildungskriterien entsprechen.“

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