Kontroverse um RTL-Sendung „Train Your Baby Like A Dog“

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RTL will die These prüfen, inwiefern Hundetraining auf Kindererziehung anwendbar ist - und sorgt für Konflikte. / Symbolfoto: pixabay.

Der Aufmacher der neuen RTL-Dokumentation „Train Your Baby Like A Dog“ ist gewagt: Ausgerechnet die Erziehungstipps einer Hundetrainerin sollen Familien mit aufmüpfigen Kindern helfen. Nun hagelt es Kritik von allen Seiten.

Das Schema der neuen RTL-Dokumentation „Train Your Baby Like A Dog“ (zu Deutsch „Erziehe dein Baby wie einen Hund“) ist so simpel wie kontrovers: Hundetrainerin Aurea Verebes wird zwei deutschen Familien mit Tipps und Tricks zur Seite stehen, „die mit der Kindererziehung an ihre Grenzen geraten sind“. Dabei soll das aus dem Hundetraining bekannte Prinzip der positiven Verstärkung angewendet werden, also das Belohnen von erwünschten Verhaltensweisen. Als „tiergestützte Methode“ bezeichnet der Sender diese Form des Verhaltenstrainings, die tatsächlich aus dem Bereich der Verhaltenspsychologie und Konditionierung kommt. „Dies auch in der Kindererziehung zu nutzen, von Strafen abzusehen und so der „Negativ-Spirale“ zu entkommen ist ein neuer Ansatz. (…) Die Umsetzung der gesamten Produktion wurde von Dr. Niko Hüllemann, Kinder- und Jugendpsychotherapeut, begleitet, sowie medienpädagogisch betreut.“, schreibt RTL in ihrer Sendungsbeschreibung. Trotzdem hagelt es für diesen „neuen Erziehungsansatz“ nun Kritik von allen Seiten.

Menschenwürde für Einschaltsquoten

Laut der Welt hätten der renommierte Hamburger Kinderpsychiater Michael Schulte-Markwort und Jurist Gerhard Strate den Sender in einem Brief eindringlich davor gewarnt, die Dokumentation auszustrahlen – zumindest unter diesem Titel: „Der Titel dieser Sendung, die wie ein Imperativ daherkommt, widerspricht dem Menschenbild unserer Verfassung“, schreiben die beiden Kritiker. Es würde die Menschenwürde der Kinder und damit den Jugendmedienschutz verletzen und die Entfaltung ihrer Persönlichkeit einschränken. „Über Ihre diesem Menschenbild widersprechende ,provozierende These’ kann es deshalb keine Diskussion geben“, heißt es weiter. Die meisten stoßen sich am Erziehungsprinzip selbst: Kinder seien keine Hunde und sollten nicht wie solche behandelt werden. Auch Eltern-, Familien- und Paarberaterin Kiran Deuretzbacher äußert scharfe Kritik an dieser Erziehungsmethode: „Für unsere Kinder wünschen wir uns keine Abhängigkeit – auch nicht von unserem Lob. (…) Eltern sollten immer die Selbstregulierung ihrer Kinder stärken. Ein Kind lernt aus sich heraus. Wir brauchen weder Lob noch Strafe – wir brauchen authentische Beziehungen.“ Kinder sind in den meisten Fällen ohnehin so kooperationsbereit, wie es ihnen im Moment möglich ist und sollten nicht dazu konditioniert werden, so zu „funktionieren“, wie es ein Erwachsener wünscht. „Das macht Menschen kaputt.“

Vermischte Kompetenzen

Tierärztin und Hundetrainerin Janey May erklärte dem Merkur gegenübe: „Natürlich ist ,positive Verstärkung‘ auch Manipulation. Beim Hund nehmen wir das in gewissen Punkten des Zusammenlebens in Kauf, weil er eine andere Spezies ist, die sich in der Menschenwelt zurechtfinden muss.“ Vielen drängt sich auch die Frage auf, warum die „Problemkinder“ ausgerechnet von einer Hundetrainerin betreut werden und nicht von Pädagogen oder Kinderpsychologen, die spezifisch für die betreffenden Problematiken geschult wurden. Auch May rät dazu, HundetrainerInnen ausschließlich bei Problemen mit unseren Vierbeinern hinzuzuziehen – doch für Probleme innerhalb der menschlichen Familie sollten nur dementsprechende Experten konsultiert werden. „Eine Vermischung übersteigt die jeweiligen Kompetenzen.“ Ob RTL nach der ausgestrahlten Pilotfolge weitere Episoden ausstrahlen wird, ist noch nicht bekannt. Gegenstimmen gäbe es jedenfalls genug: Online wurde bereits eine Petition gestartet, um die Absetzung der Sendung zu fordern – dort wurden bereits über 30.000 Unterschriften gesammelt.

Wenn Sie mehr über das Prinzip von Belohnung in der Hundeerziehung erfahren wollen, lesen Sie hier weiter!