Kangal-Hirtenhund (Hunderasse) – willensstarker Beschützer

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Der Kangal-Hirtenhund ist ein imposanter und aufmerksamer Wächter. / Foto: pixabay.

Der Kangal-Hirtenhund begleitet uns Menschen bereits seit langem: Bereits vor tausenden von Jahren arbeitete der aus der Türkei stammende Herdenschutzhund an der Seite von nomadischen Hirten. In der heutigen Zeit ist er deswegen nur mehr selten zu sehen – er übt aber weiterhin eine große Faszination auf uns aus.

Kangal-Hirtenhund (Hunderasse) – Klassifikation FCI

FCI-Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer – Molosser – Schweizer Sennenhunde
Sektion 2 – Molossoide
ohne Arbeitsprüfung
Ursprungsland: Türkei

FCI-Standardnummer: 331
Widerristhöhe:
Rüden: 72 – 78 cm
Hündinnen: 65 – 73 cm
Verwendung: Herdenschutzhund

Geschichte und Herkunft

Auch wenn die historische Ermittlung der Ursprünge alter Hunderassen wie den Herdenschutzhunden keine exakte und zweifelsfreie Wissenschaft darstellt, gilt der Kangal-Hirtenhund im Allgemeinen als Nationalhund der Türkei. Er ist tief in der türkischen Kultur eingebettet und begleitet die Menschen dieses Landes wahrscheinlich bereits seit Jahrtausenden. Sie waren wichtige Partner der nomadischen Viehhirten und bewachten die großen Schaf- und Ziegenherden vor Raubtieren und Viehdieben. Besonders die Osttürkei wird als Ursprung des Kangal gehandelt, da die Fellfarbe der Hunde sich an jene der dort verbreiteten Akkaraman-Schafe angepasst haben könnte. Der Name der Rasse geht wahrscheinlich auf den Namen der Stadt Kangal in der zentralanatolischen Provinz Silas zurück, wo die Rasse schon früh einheitlich und gewissenhaft gezüchtet wurde und dadurch internationale Anerkennung erfuhr.

Von Kangal ausgehend verbreiteten sich die Hunde erst nach Großbritannien und schließlich weiter nach Frankreich, Deutschland und in die Niederlande und USA. Der erste europäische Zuchtverein wurde 1968 gegründet und „Anatolian Karabash Dog Club“ genannt; das türkische Wort „Karabaş“ bedeutet zu Deutsch „Schwarzkopf“. Mittlerweile werden die Kangal-Hirtenhunde weltweit gezüchtet, doch es gibt Unterschiede zwischen Populationen innerhalb und außerhalb der Türkei. In seinem Urpsrungsland hat der durchschnittliche Kangal etwa 32-45 Kilogramm, außerhalb legt man mit einem Körpergewicht von 45-70 Kilogramm mehr Wert auf massige Hunde – manchmal zum Nachteil der Gesundheit von Knochen und Gelenken.

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Ursprünglich stammt der Kangal aus den bergigen Regionen der Türkei. / Foto: pixabay.

Gesetzeslage

In Hessen und Hamburg steht der Kangal-Hirtenhundes auf der Liste „potentiell gefährlicher Hunderassen“ und darf dort nur mit behördlicher Bewilligung bzw. Wesenstest gehalten werden. Viele Kritiker sind gegen die Existenz solcher Rasselisten, da Aggressivität von mehreren (oft menschlichen) Faktoren abhängt und die Rassezugehörigkeit als potentieller Faktor angezweifelt wird. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt schaffen immer mehr Bundesländer und Kantone im deutschsprachigen Raum aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen Listen mit potentiell gefährlichen Hunderassen ab oder verkürzen diese – der Trend, stattdessen das Verantwortungsbewusstsein der HalterInnen auszubilden und zu kontrollieren, ist positiv zu betrachten.

Wesen und Charakter

Als Herdenschutzhund gehört der Kangal-Hirtenhund zu den ursprünglicheren Rassen, die noch über eine rigide Rudelhierarchie und ausgeprägte Instinkte verfügen. Hunde dieser Rasse sind ausgesprochen selbstbewusst und selbstbestimmt und versuchen als willensstarke Führungspersönlichkeiten stets, die Leitung ihres „Rudels“ zu übernehmen. Sie sind dominant, standhaft und mutig und ihrer Bezugsperson loyal zugetan – sofern diese sich als würdiger Rudelanführer beweisen kann. Ihre Erziehung setzt Geduld, Beharrlichkeit und konsequente Regeln voraus. Auf keinen Fall darf man Strenge jedoch mit grausamer Härte verwechseln, denn der stolze Hund wird eine „harte Hand“ nicht verzeihen. Fremden und anderen Hunden gegenüber verhalten sie sich eher misstrauisch bis feindlich. Das liegt an dem tief in ihrem Wesen verwurzelten, territorialen Beschützerinstinkt, den sie unbedingt auf einem größeren Grundstück ausleben dürfen sollten. Auch das Melden von „Gefahren“ und Fremden ist ihnen nicht abzugewöhnen. Vom Freilauf ohne Leine sei im Allgemeinen abgeraten – denn der selbstständige Kangal-Hirtenhund ist nicht immer abrufbar und entscheidet oft selbst, wie er auf eine vermeintliche „Bedrohung“ reagiert. Seine BesitzerInnen müssen viel Verständnis für die Eigenheiten dieser Rasse mitbringen und in jeder Situation souverän und präsent sein.

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Das Markenzeichen des Kangal ist sein helles Fell und die dunkle Maske. / Foto: pixabay.

Erscheinungsbild

Der Kangal-Hirtenhund verfügt wie viele Molossoide über einen großen, kräftigen und aufrechten Körperbau mit rechteckigem Rahmen. Als passionierter Wachhund strahlt er Kraft, Ausdauer und Aufmerksamkeit aus. Der große, längliche Kopf ist mit beißkräftigen Kiefern und einem schwarzen Nasenschwamm ausgestattet. Die mandelförmigen Augen mit den schwarzen Lidrändern dürfen hellbraun bis dunkelbraun sein – allegmein gilt, je dunkler, desto besser. Die dreieckigen Ohren mit abgerundeten Spitzen werden in Ländern, wo noch kein Kupierverbot vorherrscht, gelegentlich kupiert. Die lange Rute wird in Ruehstellung hängend und an der Spitze eng eingerollt und bei Erregung hoch über den Rücken gerollt getragen. In der geschmeidigen, weitgreifenden Bewegung bilden Kopf, Hals und Rücken eine Linie, was oft einen schleichenden Eindruck erweckt.

Das dicke und raue Deckhaar ist zwischen drei und sieben Zentimeter lang, je nach Klimazone. Die dichte Unterwolle schützt vor kühleren Temperaturen und Witterung, weswegen das Fell an Hals, Schulter und Oberschenkeln üblicherweise etwas länger und dicker ist. Erlaubte Fellfarben reichen von Creme bis Wolfsgrau, also helle Grundfarbe mit schwarzer Gesichtsmaske. Weiße Abzeichen an den Pfoten und Füßen sind grundsätzlich erlaubt, erwünscht ist aber möglichst wenig Weiß. Alles in allem ist das Haarkleid des Kangal-Hirtenhund wetterfest und relativ leicht zu pflegen. Zweimal im Jahr findet der Fellwechsel statt, während dem er vermehrt gebürstet werden muss und dementsprechend mehr Haare verliert.

Gesundheit

Sehr große Hunde haben üblicherweise eine etwas kürzere Lebensspanne als mittelgroße oder kleine Hunde, doch mit stolzen 12 bis 15 Jahren bildet der Kangal hier eine beachtliche Ausnahme. Als Arbeitshund mit robuster Konstitution und großer Kraft neigt er selten zu Krankheiten. Leider ist er wie viele andere große und schwere Hunderassen anfällig für Hüftdysplasie, die im schlimmsten Fall zu Bewegungsunfähigkeit führen kann. Auch eine als Entropium bekannte Fehlstellung des Augenlids kann bei dieser Rasse vermehrt auftreten: Das dabei einwärts gekehrte Lid irritiert mit den fälschlicherweise nach innen gerichteten Wimpern das Auge, was zu chronischer Entzündung führen kann. Auch Lipome, meist harmlose Fettlumpen, können sich beim Kangal häufiger entwickeln.

Die Rasse im Überblick

Bewegung

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Fellpflege

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Familienfreundlichkeit

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Anfängertauglich

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