Hund statt Medikamente: Großbritannien will Wohlbefinden auf Rezept

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Hund statt Medikamente: Sieht so die Zukunft der Gesundheitsvorsorge aus? / Fotos: Pexels / Bearbeitung: die Hundezeitung

In Großbritannien soll zukünftig Wohlbefinden als wichtigster Maßstab fürs Gesundheitswesen gelten. Die Therapieansatz von Hausärzten könnte nun öfter „Hund statt Medikamente“ heißen.

Mit der Ankündigung einer neuen Initiative sorgt der britische Gesundheitsminister Matt Hancock derzeit für Furore. Unter dem Titel „Social Prescribing“ (deutsch: „soziales Verschreiben“ oder „soziales Rezept“) könnten Hausärzte etwa Vierbeiner auf Rezept verschreiben. Das Konzept „Hund statt Medikamente“ ist dabei natürlich nicht als Universallösung gedacht – dennoch könnte den Vierbeinern eine Schlüsselrolle in der modernen Gesundheitsvorsorge zukommen.

Gesundheit durch Wohlbefinden

Komplett neu ist die zugrundeliegende Idee allerdings nicht, wie derstandard.at berichtet. Schon in den 90er-Jahren hatten britische Hausärzte die Möglichkeit individuell abgestimmte Programme für mehr Wohlbefinden zu verschreiben. So wurden zum Beispiel Museumsbesuche, Haustiere, Tanz- und Gesangsstunden als Therapiemethoden gegen unterschiedliche Krankheiten eingesetzt. Die Patienten profitierten davon merklich: Besserer Schlaf sorgte für eine Stärkung des Immunsystems aber auch geistigen Kapazitäten. Auf diese Weise wurde das individuelle Wohlbefinden sowie die körpereigenen Regenerationskräfte gefördert, was nachweislich zur Vermeidung von Krankheiten bzw. größeren Heilungschancen führte.

In Tower Hamlets, einem traditionellen Arbeiterbezirk Londons, bietet das Bromley by Bow Centre bereits seit 1984 ein breites Angebot für alternative Gesundheitsvorsorge an. So stehen etwa Schwimmkurse, diverse Geselligkeitstreffen aber auch Rechtsberatung zur Auswahl.

Grundsätzlich stößt das Konzept in fast allen Parteien des politischen Spektrums in Großbritannien auf breite Zustimmung. Kritiker halten dennoch fest, dass bei der Umsetzung darauf geachtet werden müsse, dass auch Menschen mit verhältnismäßig niedrigerer Bildung und geringerem Einkommen bei derartigen Maßnahmen nicht benachteiligt werden dürfen.

Österreich wartet seit 2003

Wie sieht es mit „Social Prescribing“ außerhalb des Vereinigten Königreichs aus? Auch in Österreich gab es schon Anfang der 2000er-Jahre ähnliche Ideen. Im Regierungsprogramm aus dem Jahr 2003 wurde namentlich das „Grüne Rezept“ erwähnt, in Rahmen dessen Ärzte diverse Maßnahmen zur Gesundheitsförderung verschreiben sollten. Umgesetzt wurde dies bis heute nicht. Vielleicht findet die Idee nach britischem Vorbild wieder Platz im Programm der neuen Regierung nach der Nationalratswahl Ende September 2019.