Golden Retriever Harry beschützt Mädchen vor Standpauke

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Golden Retriever Harry nahm das kleine Mädchen vor dem Schimpf der Mutter in Schutz. / Fotos: TikTok/Douyin (Douyin191337486).

Genug ist genug, denkt Golden Retriever Harry. Als die Mutter ihrer kleinen Tochter eine gehörige Standpauke hält, tröstet er laut Angaben der Mutter das Mädchen treuherzig. Als das Elternteil aber weiter wettert, schreitet er mit gefletschten Zähnen ein: „Jetzt reicht es langsam!“ Das Video des Hundes ging schnell viral.

Der sechsjährige Golden Retriever Harry lebt mit seiner Familie, den Suns, in China. Laut der Daily Mail hat er ein besonderes Band mit deren zweijähriger Tochter You You aufgebaut, der er niemals von der Seite weicht und sich laut der Mutter ihr gegenüber fast wie ein großer Bruder verhält. Das Mädchen sei mit dem Hund zusammen aufgewachsen und ist selten ohne ihren haarigen Begleiter anzutreffen – weswegen die Mutter das Zusammenleben der beiden gerne in Fotos und Videos festhält und auch mit dem Internet teilt. Per Douyin (wie TikTok in China bekannt ist) lud sie nun ein besonders lustiges und für Außenstehende auch niedliches Video hoch: Wie der Rüde seine kleine Freundin vor der Schimpftirade der Mutter beschützt.

Harrys Augenstern

Laut dem Bericht der Mutter hatte sie eben eine Gesichtscreme erstanden und diese auf dem Couchtisch liegengelassen, als sie sich daran machte, das Essen vorzubereiten. Wenig später kehrte sie zurück und fand ihre Tochter vor, die die Verpackung der Creme aufgerissen und den Inhalt bereits zur Hälfte auf ihrem Spielzeug verteilt hatte. Zornig hielt sie der Kleinen eine ordentliche Standpauke – sehr zum Missfallen von Harry. Der Golden Retriever schmiegte sich tröstend an das Mädchen und legte ihr eine Pfote auf den Rücken. Als das Elternteil nicht aufhörte, zu schimpfen, stellte sich der tapfere Rüde gar vor dem Mädchen auf und fletschte warnend die Zähne: „Jetzt reicht es aber!“ Da konnte die Mutter nicht länger wütend sein – sehr zu ihrem Missfallen, denn der Hund fahre ihr öfter in Erziehungsmaßnahmen in die Parade. „Immer, wenn wir in einem etwas härteren Tonfall mit You You sprechen, geht er zu ihr und beschützt sie“, sagte Sun der Daily Mail. „Er würde das Kind mit seinem Leben beschützen. Es ist sehr herzerwärmend – Hunde finden immer einen Weg, ihre Liebe auszudrücken, wenn man sie gut behandelt.“

Ergänzender Hinweis zum Video

Was laut der Mutter als niedlich und süß beschrieben wird, ist aber eigentlich ein „typisches Beispiel für eine Überinterpretation hündischen Verhaltens, in deren Falle wir Menschen gerne tappen“. Die international zertifizierte und tierschutzqualifizierte Hundetrainerin Mag. Kerstin Biernat-Scherf von Bagheeras Welt erklärt was es mit der Situation eigentlich auf sich hat:

„Die Mutter des Kindes legt an den Golden Retriever menschliche moralische Maßstäbe an – als hätte er so viel Gespür für Gerechtigkeit, dass er den Eltern signalisieren würde: Ihr macht gerade einen Fehler, indem ihr mit eurer Tochter schimpft. Tatsächlich gibt es Studien, die belegen, dass Hunde Empathie, Symapthie und Mitgefühl zeigen können, aber es sei ausdrücklich gewarnt vor einer zu hohen moralischen Komponente, die den Tieren unterstellt wird, oder vor einer Überinterpretation des Verhaltens. Dieser Hund reagiert auf die Stimmungen, er betrachtet das kleine Kind als Ressource, die er verteidigt – außerdem wird er selbst körperlich gemaßregelt, woraufhin er mit Abwehr und Zähnezeigen reagiert. Mit einer moralischen Bewertung der Handlung der wütenden, vielleicht ungerechten Eltern hat das herzlich wenig zu tun. Die Reaktion ist viel linearer: Der Retriever reagiert auf gesetzte Handlungen und in der Luft liegende Stimmungen, er zeigt Abwehr gegen die negativen Emotionen. Da gibt es keinen „Filter“, der zur Anwendung kommt und die Taten der Erwachsenen zuerst bewertet, womöglich aus tiefer Liebe zur Tochter – das stellt eine gefährliche Form der Überinterpretation dar. Der Hund dürfte gelernt haben, dass dieses Verhalten zum Erfolg führt: Die Tochter wird in Ruhe gelassen und er vermutlich auch, die Mutter ist sogar amüsiert. Das Abwehrverhalten zahlt sich also aus, wird auch noch gefördert. Daher festigt sich die Strategie der (noch!) eher passiven Abwehr. Dass dieses Video als hündische Ergebenheit und Liebe der Tochter gegenüber gewertet wird, die „mit dem Leben beschützt werden würde“, stimmt mich traurig, weil es zeigt, wie falsch wir Hunde oft verstehen (wollen).“

 

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