England wegen Pandemie im „Hundefieber“

england grossbritannien corona covid-19 pandemie hund hundekauf diebstahl
In der sozialen Isolation wegen Covid-19 verspüren viele Menschen den Wunsch nach Nähe - und schaffen sich (manchmal unüberlegt) ein Haustier an. / Symbolfoto: pexels.

Auch in England steigen nach Lockerungen der Corona-Maßnahmen die Zahl der Infizierten wieder an – und wie überall auf der Welt fürchten die Menschen weitere Lockdowns. Homeoffice, Kurzarbeit und Social Distancing weckten in vielen Engländern den Wunsch nach einem vierbeinigen Leidensgefährten, und wie viele andere Länder in Europa ist Großbritannien nun im „Hundefieber“: Die Nachfrage nach Hunden ist groß, und manchmal wird gar mit kriminellen Mitteln nachgeholfen.

Nicht nur in Österreich machte sich seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie eine steigende Tendenz bemerkbar, dass Menschen sich Haustiere nach Hause holen – sei es aufgrund der Einsamkeit durch Isolation und Social Distancing, sei es durch plötzliche Freizeit augrund von Kurzarbeit oder Homeoffice. Wie der Guardian berichtete, steigt auch in England die Nachfrage nach hündischen Mitbewohnern seit März enorm an: Die Zugriffe auf Webseites zum Hundekauf haben sich in der Coronakrise beinahe verdoppelt, Züchter und Tierheime können sich vor Anfragen kaum mehr retten. Die gestiegene Nachfrage treibt auch die Preise für besonders beliebte Rassen wie beispielsweise französische Bulldoggen in die Höhe; ein Welpe kann mittlerweile bis zu 5.500€ kosten, vor Corona lag der Normalpreis bei ca. 2.000€. Opportunistische Kriminelle fanden hingegen andere Wege, um den wachsenden Wunsch nach vierbeiniger Gesellschaft zu befriedigen – sie stehlen Hunde und verkaufen sie an ahnungslose Kunden weiter.

Hundediebstähle in England nehmen seit März zu

Der britische Kennel Club verzeichnete für den Zeitraum März bis Ende Juni 2020 fast drei Mal so viele Suchmeldungen gestohlener Hunde wie im vorigen Jahr. Anfang Juli erschütterte ein besonders furchtbarer Fall: Aus einer privaten Hundepension waren am hellichten Tag 17 Tiere entführt worden, darunter Hunde, die während der Urlaubszeit einquartiert worden waren. Die Betreiber schlossen nach dieser Tragödie, wegen der sie auch zwei ihrer eigenen Hunde verloren, nach 18 Jahren ihr Tierquartier. Allein in England würden jeden Tag rund zehn Hunde gestohlen, viele Fälle werden allerdings nicht angezeigt: Die Besitzer bemühen sich durch Suchposter und soziale Medien selbst, ihre geliebten Vierbeiner wiederzufinden, da sie sich von der Polizei wenig Hilfe erhoffen. Und selbst, wenn es zu einer Anzeige und in seltenen Fällen einem Gerichtsurteil kommt – die Strafen betragen nur einen Bruchteil des Wiederverkaufswertes der gestohlenen Hunde.

england corona covid-19 pandemie hund hundekauf diebstahl
Viele Hunde werden gestohlen, wenn sie sich unbeaufsichtigt draußen aufhalten, und an ahnungslose Kunden weiterverkauft. / Symbolfoto: unsplash.

Viele Diebesbanden gehen in den immer selben Gebieten auf Raubzug, und Hundebesitzer und speziell Züchter wurden dazu angehalten, nach verdächtigen Personen in der Nähe ihrer Grundstücke Ausschau zu halten. Besonders Spaniels sind beliebtes Diebesgut, und an den Gartentoren von Spanielbesitzern wurden bereits Kreidemarkierungen gefunden, mit denen Diebe lukrative Grundstücke für ihre Kollegen markieren. Strengere Auflagen zum Hundekauf, die besonders den Onlinehandel beschränken sollen, sind seit April in Kraft getreten, doch die große Nachfrage nach vierbeinigen Gefährten bietet den Hundedieben weiterhin viele Möglichkeiten, ihre „heiße Ware“ schnell loszuwerden. Denn niemand möchte auf seinen neuen Hund warten, am besten soll der Kauf schon gestern passiert sein. „Ich bekam meinen ersten Hund vor 30 Jahren, und wir haben zwei Jahre lang auf den Richtigen gewartet“, erzählt der Besitzer der geschlossenen Tierpension dem Guardian. „Heutzutage kaufen die Menschen Hunde, wie sie Waschmaschinen kaufen würden.“

Was passiert mit den Hunden nach dem „Fieber“?

Unterdessen sehen auch viele TierheimbetreiberInnen und ZüchterInnen der Zukunft von Corona-Haustieren mit Sorge entgegen: Die spontan erstandenen Hunde könnten für die frischgebackenen Besitzer zur Belastung werden, sobald die Zeiten von Kurzarbeit und Homeoffice vorbei sind. Auch die finanzielle Bürde wird oftmals unterschätzt. Man fürchtet, dass nicht jeder neue Halter seine Entscheidung bis zu einer Zeit nach Covid-19 durchdacht hat – und dass die Tiere, die ihnen vorher regelrecht aus den Händen gerissen wurden, nur wenige Monate später die Tierheime und Tiervermittlungen überschwemmen könnten. Wie immer lautet der wichtige Appell: Wer auf seinen Hund nicht warten kann, sollte seine Entscheidung ohnehin noch einmal überdenken – denn einmal gekauft, sollten Lebewesen wie Hunde und Katzen keine Lückenfüller für schwierige Zeiten sein, sondern Freunde fürs ganze Leben.