Eferding: Welpe vor Lidl verkauft – Polizei blieb untätig

Der Welpe aus Eferding wurde bereits an ein neues Zuhause weitervermittelt.
Die Pfotenhilfe kümmerte sich um den betroffenen Welpen - denn die Polizei konnte nicht helfen. / Foto: Pfotenhilfe.

Es ist für viele Menschen leider kein unbekanntes Bild: Vor einer Lidl-Filiale in Eferding wurde ein Hundewelpe von einem Mann zum Verkauf angeboten – ohne Papiere. Die verständigte Polizei unternahm jedoch nichts dagegen.

Es ist ein Anblick, der stutzig macht: Vor einer Lidl-Filiale im oberösterreichischen Eferding bot ein slowenischer Mann einen Hundewelpen zum Verkauf an. Es sollte ein unkomplizierter Handel ohne Kaufvertrag oder gar Papiere werden. Eine Tierschützerin fand diese Verkaufssituation zu Recht seltsam und holte Erkundigungen bei der Pfotenhilfe ein. Diese teilte mit, dass es gegen das Tierschutzgesetz verstoße, einerseits Tiere in der Öffentlichkeit zum Verkauf anzubieten und andererseits Tiere ohne Papiere oder Tollwutschutz zu verkaufen. Da gleich zwei Gesetzesverstöße vorlagen, verständigte die Frau die Polizei. Aus Angst, der Mann könnte in der Zwischenzeit mit dem Hund das Weite suchen, kaufte sie den Welpen um 400 Euro frei. Zum Glück – denn die Beamten waren in der Situation eher ratlos.

Kein Vollzug von gültigen Gesetzen

Als die Polizei vor Ort eintraf, sahen die Beamten keinen konkreten Handlungsbedarf. Es wurde nur sehr allgemein nach „Papieren“ gefragt. Die Tierschützerin musste ihnen zudem den Screenshot eines Gesetzestextes zeigen – denn die Beamten wussten nichts von dem verletzten Tierschutzgesetz, dass Hunde nicht in der Öffentlichkeit verkauft werden durften. Sie kontrollierten auch nicht, ob das Tier gegen Tollwut geimpft war. Der Kauf wurde weder rückabgewickelt noch wurde der Welpe beschlagnahmt. Die Pfotenhilfe-Chefin Johanna Stadler ist über diese Untätigkeit verärgert: „Die erfahrene Tierschützerin hat also richtig gehandelt, als sie das hilflose Hundebaby schon vor dem Eintreffen der Polizei aus den Fängen des skrupellosen Schmugglers befreite, sonst hätten die Beamten ihn wohl mitsamt dem Welpen wieder abziehen lassen. So werden wir den illegalen Welpenhandel jedenfalls nicht in den Griff bekommen, und die Auswirkungen treffen dann wieder Tierheime wie die PFOTENHILFE, wenn die Tiere krank sind, ausgesetzt oder abgeschoben werden.“

„Zahnloser Papiertiger“

Sofort wandte sich die Pfotenhilfe an die Landesrätin Birgit Gerstorfer, die für den Tierschutz zuständig ist. „Die Veterinärämter sind zwar grundsätzlich für den Vollzug zuständig, aber bei Gefahr im Verzug sowie außerhalb der Amtszeiten muss die Polizei diese unterstützen“, sagte Stadler und bat darum, die Polizeibeamten besser in Sachen Tierschutz und Tierschutzgesetze zu schulen. Erst letzte Woche hatten sich die Tierschutzlandesräte um Tierschutzminister Wolfgang Mückstein für verschärfte Bemühungen in Sachen illegalem Tierhandel ausgesprochen. „Aber ein Tierschutzgesetz, das nicht kontrolliert und vollzogen wird, ist ein zahnloser Papiertiger“, stellt Stadler fest. Sie warnt außerdem davor, Hunde auf offener Straße oder aus anderen dubiosen Quellen wie Internetanzeigen zu kaufen. Erste Anlaufstelle für werdende Hundeeltern sollten immer Tierheime sein – denn dort sei die Beratung und Betreuung in allen Hundefragen am besten, auch nach dem Kauf.

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