Beruf Tierarzt: Vorurteile und Missverständnisse zum Traumjob

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Traumjob Tierarzt? Über den Beruf gibt es noch immer viele Vorurteile ... / Foto: Pixabay

Die Veterinärmedizin bietet viele interessante Berufsbilder. Der bekannteste Job, oft aber auch der am meisten missverstandene, ist der des Tierarztes. Bereits im Kindesalter wollen viele Menschen von Beruf Tierarzt werden – dabei gehen Vorstellung und Praxis oft weit auseinander …

Was immer Sie in diversen Fernsehsendungen über diesen Beruf erfahren haben – vergessen Sie es! Kaum eine Profession ist dicker mit diversen Klischees überzogen. Die Tätigkeit des Tierarztes ist nur in den seltensten Fällen romantisch. Der Besuch beim malerischen Bauernhof zur Rettung der besten Milchkuh oder die strahlenden Augen des kleinen Jungen in der Praxis nach der Heilung seines Hundes sind schöne Momente.

Aber eben nur Momente. „Oft geht es schlicht und einfach darum, über Leben und Tod zu entscheiden“, gibt der Präsident der Österreichischen Tierärztekammer, Walter Holzhacker, zu bedenken. „Anders als in der Humanmedizin, die Leben immer erhalten muss, kann ein Veterinär jederzeit in den Konflikt zwischen Mediziner, Psychologe, Wirtschaftlichkeit und dem eigenen Gewissen kommen.“ Er muss abwägen, ob es wirtschaftlich Sinn macht, ein Nutztier teuer am Leben zu erhalten.

Tierärzte brauchen mentale Stärke

Bei Haustieren spielt die Psychologie eine große Rolle. Wie erklärt man dem kleinen Jungen, dass es für seinen vierbeinigen Freund besser wäre, sanft einzuschlafen? „Deshalb ist mentale Stärke eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere als Tierarzt“, erklärt Holzhacker. Wochenend- und Nachtdienste verlangen einiges an persönlicher Einsatzbereitschaft und Flexibilität. Natürlich muss ein Tierarzt Blut sehen können und darf nicht zu geruchsempfindlich sein.

Spezialisierung als Erfolgsfaktor im Beruf

Die Ausbildung erfolgt in einem Diplomstudium an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien, übrigens die einzige Ausbildungsstätte für Tierärzte in Österreich. Die Mindeststudiendauer beträgt zwölf Semester und ist in drei Abschnitten unterteilt. Naturwissenschaftliche Grundlagen (Physik, Chemie, Botanik, usw.) werden im ersten Abschnitt gelehrt.

Es folgt das Propädeutikum, in dem Untersuchung, Symptomerkennung und das Stellen von Diagnosen vermittelt werden. Der dritte Abschnitt ist die klinische Ausbildung. Vertiefungsmodule ermöglichen bereits in der Studienzeit eine gewisse Spezialisierung. Nach dem Studium kann der nun fertige Magister der Veterinärmedizin sein Wissen weiter vertiefen: „Neben den einjährigen Internships sind es vor allem die mehrjährigen Residency-Ausbildungen, mit dem Abschluss als Diplomate, die immer gefragter sind“, weiß Petra Winter, Vizerektorin für Lehre und klinische Veterinärmedizin der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Solche internationalen Weiterbildungen sind in der Regel sinnvoll, da diese Absolventen europaweit gesuchte Spezialisten sind und dementsprechende Verdienstmöglichkeiten haben.

Übrigens wird dringend männliche Verstärkung gesucht: Über 80 Prozent der Studierenden sind Frauen!

Verdienst als Tierarzt und berufliche Chancen

Apropos Verdienstmöglichkeiten: Der Mindestlohntarif eines angestellten Tierarztes beträgt derzeit für eine 40-Stunden-Woche brutto 2.050 Euro pro Monat im ersten und zweiten sowie 2.300 Euro im dritten Jahr. Die Honorarordnung der Österreichischen Tierärztekammer regelt den Preis für die Leistung eines Tierarztes. Der Stundensatz liegt im Schnitt bei etwa 96 Euro plus Mehrwertsteuer.

Was die Jobchancen betrifft, zeigt sich ein zwiespältiges Bild: „Keine Kleintiere oder Pferde“, warnt Walter Holzhacker. „Gute Chancen gibt es im Bereich Nutztiere, im öffentlichen Gesundheitswesen, im Bereich Lebensmittelsicherheit, in der Pharmaindustrie und mit gewissen Abstrichen auch bei Zootieren.“ Mit dieser Aufzählung wird schon die Vielfalt der Betätigungsmöglichkeiten klar, die sich dem Veterinär erschließt.

Auch in der Wissenschaft kann man sich einen Namen machen. Wer sich der tierärztlichen Praxis verschreibt, der wird mit einem klaren Trend konfrontiert: Immer mehr Tierärzte schließen sich zu Gemeinschaftspraxen zusammen, in denen sich jeder auf ein anderes Gebiet spezialisiert hat und man einander ergänzt.

Vorurteile und Realität der Veterinärmedizin

Das veterinärmedizinische Studium ist sehr beliebt. Im Schnitt 1.400 Bewerber rittern jährlich um die 200 Studienplätze an der Vetmeduni Wien. Die Auswahl erfolgt über einen Eignungstest, den Notenschnitt, diverse eventuelle Vorleistungen, wie Praktika, und ein Auswahlgespräch. 

Experten raten, sich vor einer Entscheidung zur Ausbildung intensiv mit dem tatsächlichen Berufsbild auseinanderzusetzen. In kaum einem anderen Berufsfeld hat sich ein vergleichbar idealisiertes Bild der Tätigkeit entwickelt – die Realität sieht oft ganz anders aus.

Das Berufslexikon des AMS gibt einen ersten Überblick über das Berufsbild des Tierarztes: www.berufslexikon.at