„Dieses Urteil ist skandalös!“

Erst im vergangenen Jänner sorgte ein tragischer Fall von Tierquälerei im kärntnerischen Bad Eisenkappel für österreichweite Schlagzeilen. Am Hof einer 63-jährigen Frau wurden 52 eingesperrte Hunde entdeckt und von Tierschützern, gemeinsam mit der Behörde in das Tiko (Tierschutz Kompetenzzentrum) nach Klagenfurt gebracht. Die Tiere wurden am Hof der Kärntnerin zum Teil schon seit vielen Jahren unter grausamen Bedingungen gehalten. Augenzeugen bot sich bei der Rettungsaktion ein Bild des Grauens: Die Hunde waren in vermüllten Räumen ohne Sonnenlicht, völlig isoliert vom Menschen, unter bestialischen Gestank in ihrem eigenen Urin und Kot gehalten. Durch die mangelnde Bewegung waren die Krallen derart eingewachsen dass eitrige Entzündungen jeden einzelnen Schritt zum Martyrium machten.

Tierschützer retteten 52 Hunde aus dem Gehöft in Unterkärnten | Foto © Tiko

Es folgte eine Anzeige wegen Tierquälerei.
Die ermittelnde Staatsanwaltschaft hat nun das Verfahren überraschender Weise mit einer außergerichtlichen Einigung (Diversion) beendet. Der Beschuldigten wurde eine zweijährige Probezeit auferlegt nach der – so sie sich in dieser Zeit nichts zu Schulden kommen lässt – das Verfahren endgültig eingestellt wird.
Laut einem Bericht in der Kleinen Zeitung begründet die Staatsanwaltschaft diese außergerichtliche Einigung mit  der Einsicht der Beschuldigten und der Tatsache, dass es sich dabei um ein leichtes bzw. mittelschweres Vergehen handelte. Außerdem sehe diese ein, dass sie so etwas nie mehr wieder tun darf und sehe sich viel mehr als Tierretterin (Tierhortung gilt als psychische Störung und damit als Entlastungsgrund).
„Ein Skandal !“ wie die Leiterin des Tiko und Tierärztin, Marina Zuzzi-Krebitz attestiert. „ Tierquälerei darf nicht länger als Kavaliersdelikt behandelt werden. Viele der armen Tiere sind auch heute, vier Monate nach ihrer Rettung, schwer traumatisiert. Sie erstarren regelrecht zu „Salzsäulen“ wenn Fremde in ihrer Nähe sind und gehen keinen Schritt weiter!“

Die Tiere in ihrem Elend | Foto © Tiko

Wie es zu einer solche Entscheidung kommen konnte ist der erfahrenen Tierschützerin völlig schleierhaft: „ Es scheint als hätte nicht einmal eine Verhandlung stattgefunden.  Jedenfalls ist keiner der Augenzeugen und auch nicht die Tierschutzombudsfrau vor Gericht befragt worden. Kein Sachverständiger hat die abgenommenen Tiere jemals untersucht!“
Und auch die Tatsache, dass das Vorliegen von krankhafter Tierhortung in diesem Fall als Milderungsgrund gelte sieht Zuzzi-Krebitz äußerst kritisch: „ Diese Frau hat regelrecht eine eigene „Rasse“ gezüchtet und Welpen und auch ältere Hunde gewinnbringend um je € 100,- verkauft. Uns liegen dazu Meldungen vieler Käufer vor.  Krankhafte Tierhortung beruht aber unter anderem darauf, dass sich die Betroffenen von ihren Tieren einfach nicht trennen können. Jahrelang haben wir nach dem „Ursprung“ dieser gleich aussehenden Hunde gesucht, die immer wieder ausgesetzt wurden und von uns geborgen werden mussten. Einige kamen hilflos im Straßenverkehr ums Leben und gefährdeten so auch Menschenleben!“
Ob sich die Beschuldigte während dieser Probezeit nun überhaupt einer psychologischen Betreuung zur Bekämpfung ihrer Erkrankung unterziehen muss, ist nicht bekannt.

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