Coronavirus und Isolation treiben Tierheim-Anfragen in die Höhe

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Wegen der Isolation steigt momentan die Nachfrage nach vierbeinigen Freunden - besonders bei Kindern. / Symbolfoto: pixabay.

Aufgrund der Isolation wünschen sich immer mehr Menschen Gefährten für sich oder ihre Kinder, Tiere von Erkrankten brauchen Versorgung, und der Besucherverkehr ist wegen Ansteckungsgefahr stark eingeschränkt – Tierheime stehen vor besonderen Herausforderungen.

Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Einschränkungen des normalen Alltagslebens ist für niemanden leicht. Dennoch stehen gerade Tierheime momentan vor besonders kniffligen Herausforderungen. Sie können jedoch helfen!

Heruntergefahrener Betrieb

Wie jedes andere Unternehmen haben auch die meisten Tierheime in Österreich und Deutschland auf Notfallbetrieb heruntergefahren. Auf Besucherverkehr wird aufgrund erhöhter Ansteckungsgefahr zum Schutz der Mitarbeiter momentan verzichtet, auch weil im Fall gehäufter Krankenstände die Versorgung der Tiere nicht mehr gewährleistet werden könne. Da bei einer verantwortungsvollen Tiervermittlung Kundenkontakt aber unumgänglich ist, wurde vielerorts auch dieser Service vorerst auf Eis gelegt bzw. nur unter strengen Sicherheitsauflagen weitergeführt.

Auch Spendenaktionen und Benefizveranstaltungen wurden bis auf Weiteres abgesagt – was die Tierheime in eine prekäre finanzielle Situation bringt. „Die Tierheime finanzieren sich größtenteils aus Geld- und Zeitspenden, die Sorgen sind groß“, sagte auch Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, versicherte aber, dass man die Einrichtungen unterstützen werde, wo es nur geht. Auf finanzielle Hilfe von Seiten der Regierung wage man derzeit nicht zu hoffen.

Vermehrte Aufnahmen neuer Tiere

Viele Haustierhalter sind durch Social-Media-Gerüchte und den medialen Informationssturm verunsichert, inwiefern der Coronavirusstamm Covid-19 ihren Haustieren gefährlich werden kann – oder über diese auch ihnen selbst. Tierheime verzeichnen in den letzten Wochen auch vermehrt Anfragen unwissender Tierhalter, die ihre Fellnasen aus Angst vor Ansteckung abgeben wollen. Dazu besteht kein Anlass, da Haustiere sich nicht mit diesem Virus infizieren können – Informationen dazu finden Sie unter anderem bei uns oder beim Deutschen Tierschutzbund.

Wenn Herrchen oder Frauchen bedauerlicherweise positiv auf Covid-19 getestet wird, ein stationärer Krankenhausaufenthalt unvermeidbar ist und sich niemand findet, der das Tier in Pflege nehmen kann, bitten die Tierheime, sich bei der nächsten Polizeidienststelle zu melden, denn nur so können die Haustiere unter den behördlich geltenden Sicherheitsbestimmungen bei ihnen Aufnahme finden.

Obwohl sich die Tierheime für die Versorgung der Haustiere von Covid-19-Patienten gerüstet haben, wird der Platz (in Kombination mit ausbleibenden Spenden und fehlenden ehrenamtlichen Helfern sowie dem Operieren auf Minimalbetrieb) allmählich eng. Daher appelliert man an die Tierbesitzer: Wer momentan aus anderen Gründen (Reisen, Scheidung, Umzug, etc.) sein Tier nicht zu Hause versorgen kann, sollte bitte lieber erst Freunde, Nachbarn und Verwandte bemühen, bevor man sich an die örtlichen Tierheime wende!

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Wohin mit dir? In Zeiten von Covid-19 ist die Lage vieler Menschen, aber auch vieler Tiere unsicher. / Symbolfoto: pixabay.

Wunsch nach tierischer Gesellschaft steigt

Speziell der bewusste Verzicht auf soziale Kontakte, um die Ansteckungsgefahr von Covid-19 zu reduzieren, schlägt vielen Menschen schwer aufs Gemüt, und für einige liegt da die Überlegung nahe, sich Gesellschaft in Form von kuscheligen Haustieren in die eigenen vier Wände zu holen, um der Einsamkeit ein Schnippchen zu schlagen. Besonders Tierheime vermerken einen drastischen Anstieg der Adoptionsanfragen. „Hatten wir vorher drei bis vier Anrufe am Tag, sind es aktuell 20. Alle von Menschen, die eine Tieradoption andenken und meistens an Hunden interessiert sind“, sagt Kristin Müller, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Tirol den Salzburger Nachrichten.

Der Grund: Durch die Isolationsmaßnahmen verbringen die Leute viel Zeit zu Hause – der Moment ist also günstig, um das Tier an das neue Zuhause zu gewöhnen und sich intensiv mit dem neuen Familienmitglied zu beschäftigen. Andere wollen eine produktive Beschäftigung für ihre Kinder. Außerdem ist es durchaus erlaubt, mit dem Hund zur Verrichtung des Geschäfts nach draußen zu gehen – man kann daher endlich ohne schlechtes Gewissen einen Spaziergang genießen.

Allerdings ist die Lage in jedem Bundesland anders: In Kärnten, Tirol und Oberösterreich kommen die Angestellten den Anrufen kaum hinterher; in Wien, Niederösterreich, Salzburg verzeichnt man keinen Anstieg an solchen Anfragen. Allerdings: Viele Anfragen wirken nicht besonders durchdacht oder halbherzig, was zu noch mehr Problemen in naher Zukunft führen könnte. In vielen Tierheimen in allen Bundesländern werden daher im Moment keine Tiere vergeben – nicht nur wegen des verbotenen Besucherverkehrs, sondern auch, weil die Tierheime an eine Zeit nach Corona denken, in der Herrchen und Frauchen plötzlich weniger oder gar keine Zeit mehr für Fido und Schnurrli haben.  Mancherorts, im Burgenland beispielsweise, werden Tiere in Zeiten von Corona trotzdem an seriöse Kunden vermittelt, allerdings müssen die Interessenten Mundschutzmasken tragen und Sicherheitsabstand zu den Mitarbeitern halten.

Besonders das Gassigehen mit dem Wauz ist momentan eine gute "Ausrede", die Heimquarantäne temporär zu unterbrechen. / Symbolfoto: pixabay.

Der derzeitige Trend von stark verminderten Einnahmen durch wegfallende Tiervermittlung und Spendenveranstaltungen, die vermehrte Aufnahme von Haustieren erkrankter Patienten und die allegmeine Unsicherheit in Zeiten der Corona-Krise lässt viele Tierheime um ihre Zukunft bangen. Sie bitten um Verständnis und Mitgefühl in Zeiten wie diesen – jeder Euro würde ein Stückchen mehr Sicherheit für die Tierheime und auch deren Schützlinge bedeuten.