(Alb-) Traumberuf Tierärzt – Ein Beruf mit hohem Risiko

Rothaarige Frau steht an einer Wand und sieht genervt in die Kamera.
(c) Canva

Beinahe jedes Kind hatte einmal den Wunsch, später Veterinärmediziner zu werden. Jeden Tag Hundewelpen streicheln, mit schnurrenden Katzen kuscheln … doch in der Realität ist der Tierarztberuf ein harter Knochenjob mit psychischen Langzeitfolgen.

Immer wieder kommen internationale wissenschaftliche Studien zum selben Ergebnis: Die Berufsgruppe der Tierärzte und Tierärztinnen ist einem besonders großen psychischen Stress ausgesetzt. Erst kürzlich belegte eine Studie der Freien Universität Berlin und der Universität Leipzig, dass rund 20 Prozent der über 3000 befragten Veterinärmediziner unter wiederkehrenden Selbstmordgedanken leiden. Auch andere Studien zeigen, dass das Suizidrisiko unter Tierärzten fünfmal so hoch ist wie in der Normalbevölkerung und sie etwa fünfmal so oft klinische Depressionssymptome zeigen. Doch woran liegt es, dass gerade Veterinärmediziner einer so großen psychischen Belastung ausgesetzt sind?

Zu viele Stressoren

Tierärzte sind im Durchschnitt tagtäglich mit vielen verschiedenen Faktoren für negativen Stress konfrontiert: Das beginnt mit langen und unregelmäßigen Arbeitszeiten, denn wenn Krankheiten und Verletzungen nicht schlafen, müssen oftmals auch unsere Tierärzte bis in
die Nachtstunden hinein schuften. Dies wiederum bedeutet weniger Zeit im Kreise von Freunden und Familie und weniger Möglichkeiten zur mentalen Erholung. Die soziale Isolation und die sich langsam steigernde Erschöpfung können neben Unwohlsein zu weiteren Spannungen in Beziehungen führen, und Trennungen und Scheidung tragen weiter zur psychischen Gesamtbelastung bei. Zudem werden gerade Veterinärmediziner, die angestellt sind und über keine eigene Praxis verfügen, nicht angemessen für das hohe Leistungsniveau und die belastenden Arbeitszeiten bezahlt. Und dann wird das Gefühl, dass die harte Arbeit nicht geschätzt wird, an der Seele nagen.

 

KLeiner Hund steht auf einem Behandlungstisch beim Tierarzt.
Tierärzte werden täglich mit dem Leid der Tiere konfrontiert und haben oft wenig Zeit für die Familie. (c) Canva

Undankbarer Beruf

So schön und lohnend es auch sein mag, ein verletztes Tier wieder aufzupäppeln und an den freudestrahlenden Besitzer zurückzugeben – die Realität ist oftmals leider nicht so gnädig. TierärztInnen müssen sich jeden Tag mit unheilbaren  Krankheiten und schlimmstenfalls mit dem Tod eines geliebten Haustiers und der Trauer der Kundschaft befassen. Wenige Minuten später steht schon der nächste Patient auf dem Behandlungstisch, Raum für die eigenen Emotionen bleibt selten. Außerdem kommt es vor, dass die Tierbesitzer hohe Behandlungskosten nicht tragen können, und versichert sind nur die wenigsten. Der Zorn über die Zahlungsunfähigkeit wird dann (ungerechtfertigt) zu oft an den Tierärzten ausgelassen, denen Geldgier vorgeworfen wird. Das Frustrationspotenzial dieser Berufsgruppe scheint unendlich – doch die Situation ist nicht ausweglos!

 

Zwei junge Damen sitzten auf einer Couch und reden miteinander.
Ab Jänner 2022 wird die mentale Gesundheit der Tierärzte durch die Österr. Tierärztekammer unterstützt. (c) Canva

 

Hilfe für Mediziner

Organisationen wie die Österreichische Tierärztekammer haben die Problematik zur Kenntnis genommen und versuchen, ihre Mitglieder mit Techniken zur Förderung der mentalen Gesundheit zu unterstützen. „Um gegenzusteuern, haben internationale Initiativen rund um die mentale Gesundheit von TierärztInnen eigene Programme für die psychische und seelische Fitness entwickelt. Auch die Österreichische Tierärztekammer startet im Jänner 2022 eine Initiative als Unterstützung zur Gesundheitsförderung ihrer Mitglieder. Das Programm wird sich aus einer Reihe von Webinaren zusammensetzen – die Themen reichen von Tipps und Tricks zu Zeitmanagement über Online-Bewertungsportale, Organisation und Mitarbeiterführung bis hin zu persönlichen Coachings im Bereich der mentalen Gesundheit“, so ÖTK- Abteilungsleiterin Mag. Silvia Stefan-Gromen. Zudem steht unmittelbare Hilfe durch die kostenlose Telefonseelsorge unter der Notrufnummer 142 zu jeder Uhrzeit zur Verfügung. Aber auch als Tierbesitzer kann man dem Veterinärmediziner seines Vertrauens mehr Verständnis und Freundlichkeit entgegenbringen – oftmals sind es kleine Gesten der Menschlichkeit, die in Krisenzeiten die größte Hoffnung spenden.