35 tote Hunde: Die Geschichte hinter dem Kärntner Horror-Fund

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Die Eindrücke vom Fundort verfolgen die Tierschützerin Christa Valentin bis heute. / Foto: Christa Valentin / "150719"

Vor kurzem kam in Kärnten ein besonders tragischer Fall  ans Licht, der für mindestens 35 Hunde im Tod endete. Nun meldet sich eine Gailtaler Hundezüchterin zu Wort, die bereits seit Jahren versuchte den Pflegehunden der Beschuldigten „Birgit S.“ zu helfen. Der folgende Text stammt von Christa Valentin, die ihre dramatischen Erfahrungen mit „Birgit S.“ schildert:

Wir schreiben das Jahr 2014. Facebook ist allgegenwärtig, man tauscht sich aus, schreibt, lernt Gleichgesinnte kennen. Es entstehen Freundschaften, man sieht sich mal flüchtig und schreibt weiter per PN über Hunde, Malis, Tervueren und Privates.

Wenn jemand Hilfe benötigt, bin ich immer da helfe gerne. Wie auch damals, als es hieß, sie sucht eine vorübergehende Bleibe, weil sie wegen Eigenbedarf leider ausziehen muss. Kein Problem, du kannst bei uns wohnen, ich habe viel Platz, zwar nicht im Haus aber draußen.

Sie kaufte sich einen Zeltanhänger und kam mit 4 Hunden (Malis). Anfänglich alles gut, wir hatten Spaß, aber langsam kam dann das Gefühl, dass etwas nicht stimmte: Sie ließ sich gehen, kümmerte sich weniger um die Hunde, suchte keinen Job und keine neue Bleibe.

Der Winter nahte, es wurde kälter und es musste eine Lösung her. Ich bat sie um Ehrlichkeit, gab Geld, Hundefutter etc. Wir besorgten ihr ein Bankkonto, einen Job (den sie nie antrat) und ein Zimmer bei einem guten Kumpel im Nachbarort. Dort wollte sie nicht hin.

Zeitgleich verständigten Freunde den Amtstierarzt. Es gab eine erste Kontrolle, Besserung wurde gelobt, doch nichts geschah. Erst durch mehrfaches Drängen bezog sie ihr neues Domizil. Wieder ca. 3 Wochen alles gut, dann wurde es schlimmer und schlimmer.

Ende 2014 plötzlich verschwunden

Ich verständigte den Amtstierarzt, ihr Zimmer wurde geöffnet und es war schrecklich. Ich hatte noch alles versucht, um ihr zu helfen, aber Hilfe konnte sie nicht annehmen. Es kam zur Abnahme der 5 Malis. Einen jungen Mali holte sie sich Ende 2014 aus Deutschland, obwohl wir sie baten zuerst alles andere auf die Reihe zu bekommen. Die Abnahme der Tiere und das Chaos bei unserem Freund wurde bildlich festgehalten.

Sie verschwand von heute auf morgen und insgeheim wünschte ich sie mir so weit weg wie nur möglich. Die Jahre vergingen, ich hatte fast alles verarbeitet … bis zum März 2019.

Eine Freundin schrieb mich an und fragte, ob ich eine „Birgit S.“ kennen würde. Es war ein Deja-vu. Alles von damals kam wieder hoch und nur weil es um einen Mali ging, nahm ich Kontakt zu einer Frau auf, die im Begriff war eben diesen Mali dorthin zu geben. Ich klärte sie auf, teilte mit, was ich wusste und betonte, dass es sein könnte, dass sich die Verhältnisse inzwischen geändert haben.

Tierheime und Behörden getäuscht?

Sie gab den Mali nicht dorthin und weil ich ein komisches Gefühl hatte, fing ich an zu recherchieren. Ich schrieb sogar mit ihr und fragte sie offen und ehrlich, ob bei ihr alles im Reinen wäre. Sie bejahte und dennoch wurde ich das komische Gefühl nicht los.

Das Gefühl bestätigte sich und mit meinem neuen Wissen benachrichtigte ich SinL und weitere, doch es fehlte mir an Beweisen. Inzwischen schickte „Birgit S.“ an die Tierheime weiter schöne Bildchen und Videos. Ich kam mir vor wie alleine an der Front und machte dicht.

Verfolgung am 15. Juli 2019

Ich wollte nichts mehr hören und sehen davon. Bis mich eine Sprachnachricht ereilte: In einem Tierheim in Ungarn sitzen Hunde von „Birgit S.“.

Dann ging alles Schlag auf Schlag. Auf einmal war ich nicht mehr alleine. Von überall her kamen helfende Hände – teils von ahnungslosen Menschen die ihre Hunde vertrauensvoll in ihre Obhut gegeben hatten.

Dann bekamen wir die Nachricht man hätte sie in Klagenfurt gefunden, und mit ihr im Auto und Anhänger 11 Hunde. Das war am 15. Juli 2019.

Wir nahmen mit 4 Autos die Verfolgung auf: 200 Kilometer über die Kärntner Autobahn. Wir riefen die Polizei, denn am Samstag zuvor und Montag wurde sie bereits kontrolliert (ohne Konsequenzen). Schlussendlich wurde ihr in der Nacht die Weiterfahrt mit den Hunden untersagt. Die Tierschutzvereine waren schon unterwegs und sie sicherten die 11 Hunde.

Horror-Fund Ende Juli 2019

Wenige Tage darauf, am 23. Juli 2019, bekamen wir das offizielle OK des Vermieters, dass wir uns auf dem Grundstück der Dame umsehen dürfen. Bereits am Eingang kam uns ein Geruch der Verwesung entgegen. Ohne etwas zu berühren machten wir Fotos.

Wieder am Eingang angekommen leuchteten wir mit einer Taschenlampe in ein kleines Kellerfenster und sahen einen toten Hund. Um die Tür daneben zu öffnen, brauchte es Kraft, war doch alles sehr hoch mit Müllsäcken zugeräumt.

Nach dem Öffnen der Türe erneut Fotos zur Beweissicherung. Und dann kam der Schock … Nach und nach beförderten wir etwa 15 Säcke nach draußen und öffneten diese. In den Säcken lagen insgesamt mindestens 35 tote Hunde, darunter sicher mehrere Welpen, überwiegend Junghunde der Rasse Malinois.

Zum Teil hatten die Hunde Halsbänder um, einer trug noch einen Maulkorb. Direkt nach dem Fund benachrichtigen wir Polizei und Amtstierazt. Der Geruch nach Verwesung war unerträglich. Der Anblick der Tiere wird mich mein Leben lang verfolgen.

Nachts quälen mich die Bilder der armen geschundenen Seelen und ich frage mich wirklich, wenn dort regelmäßig kontrolliert wurde, warum hat das KEINER bemerkt?

Aussage einer Dame, die beim Fund vor Ort war: „[…] diesen Geruch habe ich im April gerochen und dachte das sei Hundekot.“

Dieser Satz [von Christa Valentin] geht an dich [„Birgit S.“]: Ich habe keine Angst vor dir oder vor dem, was du anderen Leuten über mich erzählst. Ich verstecke mich auch nicht vor dir. Ich ziehe das durch bis zum bitteren Ende, denn ich bin nicht mehr allein!

11 Hunde, darunter 7 Malinois, 3 Staffs und ein kleiner Chihuahua konnten gerettet werden.

Ihr Menschen da draußen, schaut nicht weg, zeigt auf, zeigt an. Es gab schon so viele Fälle, die diesem ähnlich sind – das darf nicht sein!

• Dieser Bericht gibt die Geschehnisse aus Sicht von Frau Valentin wieder.
• Das Bild zu diesem Beitrag zeigt einen Ausschnitt von einem Foto, 
das von Frau Valentin beim Auffinden der toten Hunde gemacht wurde.
• Für die Angeklagte (Frau S.) gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Die Suche geht weiter

Nachdem 35 tote Hunde der Beschuldigten entdeckt wurden, kam es doch zu rechtlichen Konsequenzen. Um gegen etwaige Racheakte von „Birgit S.“ gerüstet zu sein, hat Valentin ihr gesamtes Grundstück mit Kameras gesichert: „[…] weil ich dieser Frau alles zutraue!“

Auf der Facebook-Seite „150719“ sucht Christa Valentin nach weiteren Opfern der angeklagten Tierquälerin. Ihr Ziel ist es, „[…] die vermissten Hunde im Fall Kärnten ’35 tote Hunde‘ zu finden!“ Dazu bittet sie Hundefreunde um Mithilfe (siehe unten).

Beitrag auf der Facebook-Seite „150719“

13.8.2019, 16:05 Uhr – Anpassung/Anmerkung: Zuvor wurde in diesem Beitrag die Angeklagte fälschlicherweise mit dem Vornamen „Sabine“ genannt. Dies wurde inzwischen korrigiert.

14.8.2019, 10:30 Uhr – Anpassung/Anmerkung: Nach einem weiteren Telefonat mit Tierschützerin Frau Valentin haben wir den Artikel ergänzt.